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Montag, 13. Juli 2009

Das Cabin-Hotel

Josef schreibt: Mein ganz spezielles Highlight in Japan, die Übernachtung vom 12. zum 13.07.09, in unserer letzten Nacht in Fukuoka und in Japan...

Der Bericht ist am 22.11.09 zusammengestellt worden.

Vor unserer Reise haben wir gehört, dass man in Japan aufgrund der horrenden Wohnraumpreise in den Innenstädten, speziell in Tokyo, sogenannte Cabin-Hotels eingerichtet hat. Hier seien auch für Bauarbeiter die Preise noch erschwinglich. Das Besondere hierbei ist, dass eine solche "Cabin" eben kein angemieteter Raum, sondern lediglich eine Schlafbox ist, das war´s. Ich habe mittlerweile gehört, dass es diese Cabins auch schon in Deutschland geben soll, aber egal, ich wollte dieses spezielle Erlebnis machen, meine Familie gab mir hierfür 1/2 Tag frei ... und es war alles ganz anders als erwartet:
Um ca. 11:00 Uhr sind wir zu einem im Internet recherchierten Cabin-Hotel gegangen. In der Nähe dieses Hotels trafen wir auf diese Gruppe junger Männer.
Auch wenn der Anblick etwas gewöhnungsbedürftig war, es wurde offenbar spannender und fremdlänsicher, je näher wir an das Hotel herankamen. Nur mit Hilfe einheimischer Unterstützung konnten wir den tatsächlichen Eingang im 1. OG eines grossen Hauses finden. Da das Hotel nur für Männer bestimmt ist, bin ich alleine zur Rezeption gegangen. Auf den letzten Metern wurde mir folgender Hinweis gegeben:


Das Foto kommt noch! :-)


Offenbar gibt es zahlreiche japanische Gruppen, die über Tatoos ihre Gewaltbereitschaft signalisieren und daher solche Hotels nicht betreten dürfen, ...die Spannung stieg.

Endlich erreichte ich die Rezeption. Diese war klar vom eigentlichen Hotel abgegrenzt. Hier durfte man mit Schuhen laufen (alle Gäste hatten sich noch vor dem Eintritt ins eigentliche Hotel der Schuhe zu entledigen, andere Hotelgäste hatten nur kleine Habseligkeiten mit (gar nicht zu denken an Koffer oder umfängliches Eigentum. Unruhig machte mich aber vor allem der Blick in den Gang. Dort standen eng Mann an Mann mit dieser "luftigen" traditionellen Kleidung. Das war mir unangenehm und ich spürte, dass ich wohl Platznot abends haben werde. Ein näheres Beobachten dieses Treibens vermittelte mir den Eindruck, dass die älteren Menschen Jüngere in das Anlegen der Kleidung und das korrekte Verhalten einwiesen.

Ok, ich hatte mit der Auswahl dieses Hotels in ein Wespennest der japanischen Kultur gestochen. Ich habe bezahlt (sogar etwas höheren Preis als für Frau und Kinder im anderen Hotel ?? ...komisch, das sollte doch billiger sein). Nun gut, erst mal weg hier. Es reicht für´s Erste.

Während des Tages haben wir verstanden, dass gerade in diesen Tagen ein besonderes Fest in Fukuoka stattfand. Im Laufes des Festes tragen viele halb-bekleidete Männer ein riesengrosses Schaubild oder Statue. Diese wird im Laufschritt gegen andere Gruppen durch die Strassen getragen und während des Laufens werden die Männer mit Reiskörnern und Wasser begossen. Mann an Mann, so eng und teils nackig, dass ist eine ganz andere Welt, so etwas kennen wir nicht in Europa. Vor dem Bahnhof war dann das Schaubild ausgestellt, damit man es vor dem Einsatz bewundern konnte.




Nun ist es 20:00 Uhr und der Abschied von Kind und Kegel steht an. Nach dem Abendessen nahm ich meinen Kulturbeutel und eine Wäschegarnitur zum Wechseln in einer Plastiktüte mit und verabschiedete mich. Die ersten Minuten waren herrlich: endlich kein Hin- und Her, kein Gezerre, keine Planung für Andere oder Organisation von irgendeiner Bedürfnisbefriedigung (essen/trinken/aa/müde/anstrengend/langweilig usw.). Ich merkte, dass mich die ersten Tage des Urlaubs auch geschafft hatten. Dieses permanente Zusammensein, so lieb und wohlwollend auch jeder in unsere Familie ist (bestimmt aussergewöhnlich!), ... wenn man sich kaum entziehen kann, ist auch das eine Belastung.

Eine Stunde bin ich auf dem Weg ins Hotel in den Elektronik-Geschäften gestreunt. Der Blick war weniger auf Einzelprodukte gerichtet, ich wollte nur den Gesamteindruck. Viel Buntes, überall Blinken, von allen Seiten technische Töne, es war nie richtig hell und Massen über Massen an Produktvarianten lagen in den gestuften Regalen. Handys und Kleincomputer in jeder Facette, diverse Zwischenstufen zw. Handy und Notebook (bei uns (noch) nicht üblich), der Spieltrieb ist in Japan viel größer und das technische Vermögen in der Nutzung offenbar ebenfalls. Während man bei uns schon lange technisch zurückschraubt und weniger Knöpfe und Nutzungsvarianten anbietet, scheinen dort die Produkte immer noch durch Multifunktinalität zu prinzen. Ich meine aber auch, noch eine Art technische Hörigkeit gesehen zu haben, die bei uns schon abgelegt ist. Nach eier Stunde Genuß stellte ich mich aber dann meinem eigentlichen Ziel. Auf ging es zu meinem Hotel.

Beim Empfang gab ich Portemonai und Handy ab, so dass ich aller Wertsachen entledigt war. Nun auch noch die Schuhe. Wir ziehen die Schuhe nie Zuhause aus und man kann sich dann vielleicht vorstellen, wie ich mich fühlte: jetzt in dieser engen Gasse bar an Wertsachen, zweiter Kleidung, in Erwartung großer körperlichen Nähe, viel Unwissen über das zu Erwartende.

Um die erste Ecke gebogen, tauchten mehrere Gänge auf mit unzähligen Spinds. Aha, offenbar kam die nächste Stufe des Kleidungsverlustes. Ich trat in einen Gang und entdeckte die Kameras an jeder Seite. An der Rezeption waren auch Frauen beschäftigt, dort standen auch die Monitore. Hier gab es aber keine Möglichkeit, sich den Kameras zu entziehen, ein europäisches NoGo. Im Spind lag eine dünne Standard-Unterhose, ein Ganggenosse zog diese an, so dass ich offenbar alles richtig interpretiert hatte. Im bescheidenen Einheitslook ausgestattet trat ich aus dem Spindbereich zur nächsten Tür, dahinter eine Fahrstuhltür, rechts und links Zugänge, der ganze Raum 1,5 x 1,5 m. Neben dem Fahrstuhl ein Wäschekorb für die letzte Unterhose, mehr konnte man nicht verlieren. Beruhigend, dass in den Regalen die gleichen Hosen und auch zusätzlich Kimonos akkurat gewaschen und zum Wechseln lagen, vermutlich für eine Zeit "danach". Während meiner Orientierungszeit kamen aus den vier Türen einige Japaner, konnten kaum an mir vorbei, ich musste hier weg. Raus aus den Klamotten und schnell hinter die linke Tür: ... ein Badbereich mit mehreren Becken tauchte auf. Nur weg hier, rein in den ersten besten Pool, da war gerade niemand drin. Flüchtig entdeckte ich den abschätzigen Blick eines Japaners, warum nur? Die erste Entspannung gab es dann in diesem ersten runden Poolbecken, jetzt konnte ich in Ruhe beobachten und war nicht getrieben. Kein Japaner kam in den Pool, solange ich drin war. Nach ungefähr 2 Minuten dämmerte mir, dass es doch eigentlich eine Dusche geben müsse, dass der Blick doch nur aufgrund von Regelverstößen in Punkto Reinlichkeit begründet sein könnte und ich begann, die dunkle Räumlichkeit mit den Augen langsam zu durchdringen. Ich verstand, dass ich links den Dusch- oder Reinigungsbereich übersehen hatte, als ich mich schnell ins erste Becken flüchtete. Das mußte nachgeholt werden. Ich trat aus, ging in diesen Bereich und fand nur zahlreiche Schemel zur Reinigung vor, keine Duschen. Mit Holzkübel wurde der Körper im Sitzen übergossen, hört sich unbequem an, war aber echt angenehm, man kann Wasser sparen und auch im Alter ist die Reinigung aller Körperteile viel leichter im Sitzen. Der Tunnelblick legte sich, meine Aufnahmefähigkeit wurde breiter. Neben dem Spiegel gab es Wegwerf-Zahnbürsten, die schon mit Reinigungspaste präpariert waren. Einfach aufreissen, nutzen und wegwerfen. Es gab auch eine Druckstrahlbürste zur Körpermassage. Alles einfach und angenehm in der Nutzung. Körpertücher überall in Regalen, es roch frisch, trotz der Enge und hohen Nutzungsfrequenz kam nirgends Ekel oder ein Unreinlichkeitsgefühl auf. Alles lag griffbereit, es gab kein Suchen, die Funktionalitäten waren klar verstehbar, schlicht und einfach in der Verwendung. Wasser floss gut und schnell ab, auch das ist ja wichtig, wenn man nicht einmal (wie bei uns) eine Duschkabine oder Fläche für sich allein während der Nutzung hat. Nach der Reinigung ging es zurück in den nächsten Pool und ich konnte anhand der Zeichen verstehen, dass in der Poollandschaft diverse Becken mit unterschiedlichen Temperaturen beheizt oder auch gekühlt waren (von 40 Grad bis 10 Grad). Man konnte richtig kneipen. Angeschlossen war auch eine größere Sauna, mit Großbildleinwand zum Zeitvertreib mit schönem künstlichen Landschaftsblick ins "Grüne". Nach Abschluß der Reinigungsprozedure kam ich in den Wechselraum zurück und legte mir den Kimono usw. an. Jetzt ging es an das Entdecken der restlichen Räumlichkeiten. Erst einmal wollte ich meine Cabin finden, damit ich schon mal weiss, wie eng es eigentlich werden wird. Ich nahm den Fahrstuhl, fuhr zwei Etagen herunter (es war offebar im Keller oder noch tiefer :-), aber das war eh egal, denn Fenster gab es nirgends. Ich kam vorbei an den Massageräumen, dann an einer Art Bibliothek

und endlich kamen die Gänge mit den Cabins. Ich kam mir vor wie im alten Rom, jeweils zwei oder drei Boxen übereinander in einem Gang mit ca. 20 Boxen nebeneinader, also 40 x 2 oder 3 Boxen je Gang. Vor jeder Box eine kleine Gardine zum Zuziehen. Das Bett war gemacht, ein Fernseher war in die Plastikhülle quasi eingegossen, die Steuereinheiten griffberiet, diverse Lichtschaltungen, Radio, guter Luftabzug. Was will man mehr. Alles, was man brauchen könnte, scheint vorhanden. Ich löste mich, um mich über den Rest des Hotels zu informieren.

In allen Einzelheiten möchte ich nicht weiterberichten, das wird sicher zu lang. Es gab grosse Massageräume für eine Ganzkörpermasage, für die spezielle Fußmassage, weitere Becken, ein Reaturant mit Buffett usw.

Die Bibliothek hat mich dann noch interessiert. Ich war gespannt, was in den fein sortierten Büchern wohl zu lesen ist: Kein Englisch ...aber auch kein japanisch ! Es waren japanische Comics mit Peng und Knall, die angeblich in Südostasien und darüber hinaus berühmt sind. Da es sich um ein reines Männerdomizil handelte, sollte man erwarten, dass spezielle Hefte und Fernsehsender dort angeboten werden, das war aber nicht der Fall (mit einer Ausnahme, ein Fernsehsender, der eher Gewaltszenarien aus diesem Bereich vorstellte, schade). Ansonsten war mein allgemeiner Eindruck, dass dieses Hotel glänzte durch Schlichtheit, Sachlichkeit, männerorientierte Konsummöglichkeit in extrem platzsprender Umsetzung. Von den Kultürlichkeiten des Vormittags war abends nichts mehr zu sehen.

Es bleibt auch zu erwähnen, dass die Boxen ca. 1,90 m lang waren, also etwas knapp für Westeuropäer, beim Drehen im Bett schlug man nachts gegen die Plastikwand (hoffentlich habe ich nicht Andere geweckt).

So sah das Frühstücksbuffet aus:

Irina schreibt: definitiv war er für die Box zu lang, aber auch wenn Josef jemanden geweckt hätte, hätte er das nicht gesagt bekommen... Schon deshalb, weil man ihn grundsätzlich gemieden hat, wie uns alle in der ganzen Zeit... Was das Buffet angeht, hat Josef leider es nicht so richtig geniessen können, da er keinen Fisch und Meeresfrüchte gern mag... Schade, dass ich dort nicht war...

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