Samstag, 8. Mai 2010

Samstag in Norwegen: Teil 1. "Warm"

/veröffentlicht mit Verspätung/

Der sonnige Morgen hat uns schnell aus den Betten geholt. Der Streß des vergangenen Tages lag weit hinter uns, die trübe verstopfte Autobahn von gestern schien hier im Wald wie ein schlechter Traum. Johanna lief nach draußen, sie und Maria spielten im Hof, wo es keine Autos etc. gab - was für ein Luxus. Alles war sooooo still! Man wollte nicht mal mit dem Ball auf den Boden aufschlagen, um diese Stille nicht zu stören. Die Schilder in der Umgebung warnten vor Elchen, aber eine solche Begegnung wäre zu schön um wahr zu sein :-) Die Buschwindröschen, überall, wo nur das Auge reicht, und die vielen kahlen Steine, alles in gedämften Tönen, bildeten eine besondere Stimmung.
Der Papa war bereits am PC im Aufenthaltsraum, er erkundigte sich nach dem Wetter und brachte in seiner Kleidung einen kräftigen Kaffee-Geruch mit. Eine Frühstücksbox mit unserer Zimmernummer wartete auf uns im Kühlschrank des Frühstücksraums sowie Tüten mit Milch und Orangensaft. Na was gibt es denn zum Frühstück? (wir haben diese Frage in vielen Ländern gestellt, und erstaunlicherweise hat man uns diese Frage zu Hause auch oft gestellt, wenn wir von unseren Reisen berichteten. Die Deutschen finden das Frühstück einfach wichtig. :-) )
Also, es gibt: Käse, Frischkäse und Schmelzkäse in allen möglichen Richtungen, mit Garnelen, Schinken oder Kräutern, gegarten Lachs, noch einen anderen gegarten Fisch, einen Heringssalat, noch einen anderen Fischsalat, Heringskaviar, Leberwurst, Nutella, Butter und eine norwegische Käsespezialität: mit Zucker eingekochte Milch, die dann zum Käse wird. Klassisches Müsli gab es auch. Johanna hat sich vorbildlich benommen und sehr fein gegessen, wir brauchten keine Lätzchen ö.Ä., sie kam auch mit dem großen Becher zurecht.

Dies sollte für heute das Ziel unserer Tagesreise sein: Rjukan, der Wasserfall, der mächtigste im Norden, die Energiequelle für die Herstellung des "Schweren Wassers" - wer sich informieren möchte, kann bei Wiki ganz viele interessante Dinge nachlesen.
Und so sollte für heute die Tour aussehen: zum Wasserfall, dann einen Abstecher in die Berge, dann einen anderen Weg zurück.
Auf dem Weg bewunderten wir die kleinen Höfe und Siedlungen, in denen überall Holzhäuser in creme, rot-braun, kirsch oder blau standen. Es gab kaum grüne Felder, der Boden ist schwer, mit Lehm, die Bauern haben überall mit Kompost etc. "nachhelfen" müssen. Es gab kaum Tiere draußen, nur wenige Schafe und Pferde, Kühe haben wir an diesem Tag nicht gesehen.

An dieser Kirche haben wir eine kleine Pause gemacht. Sie war zu, sie wird geöffnet nur jede vierte Woche, erzählte der Friedhofspfleger. Die Kirche gehört zu 28 ältesten Stabkirchen in Norwegen und stammt aus dem 12. Jahrhundert. Ob sie schon mal restauriert worden war, konnten wir nicht in Erfahrung bringen. Es gab eine kleine Beschreibung, aber nur in der norwegischen Sprache... Tja, dann müssen wir zu Hause nachlesen...Wenn sie aber aus dem 12. Jahrhundert stammt, wo sind dann alle alten Gräber?!!!
Der Friedhofspfleger erzählte uns, dass es eine neue Regelung gibt, nach der die Gräber nach 20 Jahren abgeräumt werden, es sei denn, die Verwandten zahlen weitere 20 Jahre. Das kennt man auch in Deutschland so, mit 25 Jahren, aber was ist dann mit historischen Gräbern? Die alt-Verstorbenen können leider kein Wörtchen mehr mitreden...

Vor der Kirche fanden wir, wie bereits gestern in Tonsberg, eine Tafel mit den daten 1940-1945 und den Namen der Gefallenen in der Kriegszeit. Die Norweger haben diese Daten also ziemlich present. Heute ist der 8.Mai (deutscher Kriegsende-Tag), morgen ist der 9.Mai (russischer Siegestag) - werden wir hier etwas davon überhaupt merken, außer ein paar Namen?

Die Kirche war wirklich ein besonderer Bau, auf einem Steinfundament, aber sonst komplett aus Holz, auch das Dach. Wie alle Stabkirchen hatte sie ein bestimmtes "Baumuster", es gibt solche im Norden Russlands, sie spiegeln die alten Bauweisen wieder, die an der "Grenze" zwischen dem Heidnischen und dem Christlichen lagen.

Ich war froh, dass wir unsere Winterjacken mit uns hatten. "Warm" ist hier relativ.
Wir wollten an diesem Tag irgendwo picknicken und kauften ein. Wer sich über das Steuersystem in Norwegen informieren möchte, kann googeln, wir hatten eine direkte Möglichkeit, dies auf eigenem (Leib), na, Geldbeutel, zu erfahren. Die norwegischen Supermarktketten (andere gab es nicht) machen ihre Läden bereits ab 07:00 auf und schließen um 23:00, am Samstag um 21:00. Die Preise entsprechen den 5-fachen deutschen. Ein Euro sind 7,5 Kronen, eine Tüte Pulversuppe kostet 17 Kronen, ein Brötchen 10 Kronen, Äpfel etwa 25 Kronen pro kg.

Gleich hinter dem Ortsende konnte man eine wunderschöne Landschaft sehen, ein Riesenparkplatz an einer Schleuse und ein geschlossenes Restaurant zeigten, dass die Reisesaison vielleicht noch gar nicht begonen hat.
Die Schneereste waren noch überall, diese Wiese entpupte sich als gefrorenes Moor, ich musste mich schnell auf diese Steininsel "retten", auf der Vieles zu entdecken gab - die Moose, ganz unterschiedlich in den Strukturen, wachen auf nach dem Winter.

Auch solche "Spuren" habe ich entdeckt - dann sind die Elche hier doch ziemlich verbreitet, ich bin noch keine 3 Minuten im Wald :-)
Der nächste Hof ist ja unmittelbar an der Straße, die Elche müssen wohl hier keine Angst haben.

Das sind die Buschwindröschen, in Norddeutschland nicht so oft zu sehen.
Es ist warm, aber diese Wärme haben wir u.A. unseren Winterjacken zu verdanken. Im Wald sind viele Waldbeerenbüsche zu sehen, im August gibt es bestimmt reichlich zu pflücken - und eine Menge an Mücken zu erwarten - da wird keine Marmelade zu einem leichten Job :-)
Nach einer kurzen Fahrt sahen wir diese Landschaft -

... kein Foto kann die wirklichen Farben darstellen...
Der See war still, die Ufern menschenleer, ein kleines Boot mit einem Menschen - das war alles, was man überhaupt sehen konnte...

Hier machten wir eine Pause. Diesmal kletterte Johanna auch mit, man musste nur ein wenig helfen.

Einen solchen Blick genießen wir nicht jeden Tag... Das, was wir für einen kleinen Parkplatz hielten, war eigentlich eine Zufahrt zum Hof, der am Ufer lag. Und war dementsprechend privat... was wir nicht sofort verstanden haben... Die Bewohner haben uns beim Herausfahren nicht mal angeschaut... was wir in diesen Tagen immer wieder erlebt haben. Man schaut sich kaum an. Das Begrüßen von Fremden, wie man z.B. bei einer Begegnung im Wald o.Ä. in Deutschland kennt, ist hier offensichtlich unüblich.

Der Hof hatte auch ein solches Haus auf Stelzen
und eine Menge an Holz, das man überall auf dem Land in solchen Paletten liefert.


Ein solches Bild würde vielleicht in keine Gallerie passen - was ist besonderes dabei? Es ist einfach: Johanna trinkt aus einer neuen Flasche, ihre Hand-Augen-Mundmotorik-Koordination stimmt. Und wann hat sie mit dem Üben angefangen? Damals war es wirklich warm, und den alten heißen Steinen und der Kleidung haben ihre ersten Versuche nichts ausgemacht.


Unser Weg nach Rjukan brachte uns erst zu einem Freilichtmuseum, in dem wir uns eine Vorstellung machen konnten, wie die Siedlungen noch vor Kurzem wirklich aussahen. Altes verwittertes Holz, dicke Balken, keine sanften Töne... - und die Häuschen auf Stelzen, die die Lebensmittelvorräte frisch, kühl und (Mäuse)sicher aufbewahren sollten. Sie waren eine Überlebensgarantie und waren deshalb kleine Prachtbauten - für deren Verzierung war die Zeit nicht zu schade. Nun wissen wir, was genau wir überall gesehen haben.
Und sonst baute man eher schlicht und lebte ganz einfach. Wir haben nicht in Erfahrung bringen können, wie gut die modernen Holzhäuser gedämmt sind und was sich unter der hübsch gestrichenen Bretterverkleidung befindet.

Aber die Sehensucht der Menschen nach Wärme und Licht konnten wir erleben - ob bei den Motorradfahrern, bei den vielen Cabrios, z.T. ganz alten Schätzchen, oder bei den Kindern, die mit kurzen Hosen draußen spielten.

Es wird nach einer Pause weiter gehen - zum Schweren Wasser, zum kalten Wasser und zum noch gefrorenen Wasser...

So abwechslungsreich und turbulent wie heute

sind wir noch nie geflogen und werden es hoffentlich nie wieder tun... Zwischen den folgenden zwei Bildern sind ca. 18 Minuten. Wer Bremen, die A 1, den Bremer Flughafen kennt, wird verstehen, was wir da leisten mussten... um so selbstverständlich und gelassen, wie Johanna das nur kann, im Flugzeugsessel zu sitzen...Trotzdem werde ich versuchen, lieber vier statt zwei Stunden früher zu fahren, als jetzt schon anzufangen, etwas für meine Kondition für so einen Fall zu machen - solch einen Streß werden wir hoffentlich nie wieder haben. Unseren kostenlosen Parkplatz werde ich nicht verraten :-) Die A1 soll man grundsätzlich meiden, wenn man unter Zeitdruck steht - das habe ich für mich für die nächsten Monate überlegt.

Als wir selber unseren Puls wieder im grünen Bereich hatten, freuten wir uns über den Flug: wir fliegen doch! wir fliegen nach Oslo! wir werden Norwegen sehen!

Johanna meldete sich schon ein paar Mal, aber wir mussten erst angeschnallt bleiben. Als wir aufstehen durften, ging sie wie ein großes Mädchen durch den Gang - und vergaß nicht, die Menschen, die sie anlächelten, zurück zu grüßen. Man sieht - die Mitte des Flugzeugs blieb diesmal unbesetzt, die meisten Gäste waren wie wir - Wochenendurlauber.
Nur eine Stunde unterwegs - und wir sind fast da!
Diese Küste wollten wir schon immer sehen.
Der Flughafen Torp ist sehr überschaubar und erschlägt keinen Kurzurlauber.
Das ist unser Hotel - nur eine Stunde vom Flughafen entfernt, ganz schön weit im Wald. Wir suchten die Übernachtung nach dem Prinzip: wir müssen einigermaßen zentral bleiben, um unsere Fahrten nach der Wetterlage planen zu können. Wir haben unsere Winterjacken mitgenommen, die an diesem trüben Morgen in Deutschland genau richtig waren. Und hier? Wir sahen Menschen mit leichten Jacken, ohne Pullover und wenn Stiefel, dann nur der Mode wegen... Jo... Josefs dicke Himalaya-Jacke wirkte absolut exotisch...
Man sagte uns allerdings, dass es hier vor drei Tagen noch geschneit hat - na dann haben wir wohl Glück gehabt. Wird das Wetter in den nächsten Tagen so bleiben? Unsere warmen Jacken sind trotzdem besser hier zu haben als zu Hause im Schrank :-)
Mit Verspätung von etwa 1,5 Jahren kommt auch Johanna auf die Idee, dass sie gern Koffer schieben würde - und das tat sie mit großem Spaß.
Für unser Zimmer, zwei Betten und ein Etagenbett, mussten wir nach deutschen Vorstellungen ein Vermögen zahlen. Vor einem Jahr dachten wir, dass es uns in Japan so gehen wird, das hat sich nicht bestätigt, aber dafür müssen wir hier im Norden echt tief in die Tasche greifen :-)
Johanna wollte natürlich sofort nach oben, aber das erlaubten wir ihr nur am Tag, in der Nacht wäre mir das noch zu unsicher.
Da wir noch einige Stunden bis zum Sonnenuntergang hatten, besuchten wir eine alte Wikinger-Stadt Tonsberg. Von den Wikingern findet man kaum Spuren - wenn nur vielleicht auf den Gesichtern der Männer - solche mit Bärten verwachsene Gesichter, mit langen nicht besonders gepflegten Haaren, kleineren runderen Nasen und blauen Augen...
Dass in diesem Hafen die Wikinger-Schiffe mal lagen, kann man sich kaum vorstellen. Die Cafes im Hafen sind voll, die Menschen freuen sich über die Sonne und genießen ihr Bier. Wir sind keine Biertrinker, aber man kann hier schnell zu einem Nicht-Bier-Trinker werden: ein Glas kostet so um 8 Euro :-)))

An dieser Promenade habe ich keine Fotos machen können. Johanna wollte alleine laufen und ich musste aufpassen, dass sie nicht im Wasser landet: es gibt keine Abgrenzung am Rand. Das Land ist nicht in der EU mit all den Vorschriften, und das Land ist kein Deutschland mit vielen "versicherungstechnischen" Momenten.
Die Sonne war schon sehr tief, wir wollten uns noch die alte Kirche anschauen. Hier sind überwiegend Protestanten vertreten, die Kirchen sind abgeschlossen, schade.
Der Frühling ist hier einige Wochen später, blaue Schneeglöckchen sind überall. Die Narzissenbeete sind auch in aller Pracht, aber es gibt nicht viele davon - die Stadtverwaltung soll wohl ziemlich sprasam sein... Unser erster Tag in Norwegen ist vorbei.
Die ersten Eindrücke?
Sonnig.
Holzhäuser in ruhigen Tönen.
Viele, sehr viele Menschen leben eher auf dem Lande, weit von anderen, es müssen viele "Eigenköpfe" hier sein.
Fast jedes Wohnhaus hat daneben ein kleineres Haus, im gleichen Stil und gleich gestrichen, das als eine Werkstatt oder Kammer dient. Bei den älteren Höfen sieht man noch hübsche Holzbauten auf Stelzen, sie stehen meistens zwischen dem Wohnhaus und dem Nebenhaus und sind für irgenwas wohl Wichtiges da. Als Spielhäuser für Kinder dienen sie kaum, sie sind zu afwändig gebaut...
Die Strassen sind gut und logisch angelegt.
Es gibt einige Ausländer und ausländische Restaurants, sogar russische Sprache war auf der Promenade zu hören. Südländisch aussehende Kinder fuhren mit guten Fahrrädern mit einem älteren Begleiter spazieren. Indisch/pakistanisch aussehende Männer bettelten, sehr aufdringlich, neben den voll besetzten Cafes. Der Rest wird wohl für unsere Augenverborgen bleiben.
Wir haben keine Polizei gesehen.
Im Hotel gibt es Internet, und zwar selbstverständlich.

Wir wollen morgen mehr von der Natur sehen und eventuell in die Berge fahren.

Donnerstag, 6. Mai 2010

Sauberkeitserziehung

das klappt immer öfter...

Es gab schon einige Situationen, in denen wir merkten, dass Johanna sehr, sehr gut weiß, WORUM es geht...

Sie zeigte mir auf ihre Windel (klopfte sich am Po) und zog mich ins Badezimmer. Hast Du die Windel voll? Mensch, Johanna, warum hast Du nichts gesagt? Johanna lief aber zu Papa ins Büro, klopfte sich am Po und zeigte auf mich. Sie ging sehr gerade und war irgendwie... stolz? ...

Der Papa hat aber auch verstanden, dass sie jetzt meine Hilfe beim Windelwechsel in Anspruch nimmt, und hat sie dafür nicht besonders gelobt :-(( Ich wunderte mich nur, dass Johanna davon erzählen wollte - sonst laufen wir schnell ind Bad und basta.

Als wir aber im Badezimmer waren, sah ich, dass die Windel sauber war. Mit meiner Hilfe auf den Kindertoilettensitz gesetzt, hat sie alles "erledigt". Dabei "sagte" sie, wir sollen Papa von ihrem Erfolg berichten.

So konnten wir alles zusammenreimen - wie stolz Johanna berichtete, dass sie sich gemeldet hat und jetzt mit Mama alles ordentlich erledigen wird. Ein Lob wollte sie bei Papa schon im Vorfeld kassieren - und leider nicht geschafft. Natürlich haben wir alles nachgeholt.

Sonst verläuft unsere Sauberkeitserziehung sehr unterschiedlich, im KiGa vergisst Johanna oft, sich zu melden, zu Hause auch - man muss sie schon direkt ansprechen und einfach zur Toilette begleiten.
Wer uns länger kennt, weiß, dass wir seit ihrem 5. Lebensmonat dabei sind... ganz schön lange bereits... drei Jahre...

Mittwoch, 5. Mai 2010

Turnen, und nicht alleine...

Es wurde angedacht, dass Johanna nicht alleine, sondern mit einem anderen Kind die KG-Stunden absolvieren kann. Dadurch - so versprechen wir alle uns - werden die Beiden, die bis jetzt Motivationseinbrüche hatten, neue Impulse finden und eventuell weiter miteinander motivierter turnen. Schon die erste Stunde hat viel gebracht. Das andere Kind ist jünger als Johanna und muss viel an seinem Muskeltonus arbeiten und die richtigen Krabbel-Aufstehen-Laufen-Abläufe erlernen. So gesehen kann Johanna schon viel vormachen und als ein gutes Beispiel dienen. Wir werden sehen, wie sich die Beiden verstehen werden.

Johanna spielt gern im Garten. Da unser Garten mit Baumaterialien belegt ist, bleibt uns nach wie vor der Vorgarten. Der Autoverkehr bleibt uns natürlich auch erhalten, mit der Zeit merke ich, dass ich wirklich nicht nur aufpasse, sondern auch kleinere Arbeiten an den Beeten erledigen kann. Ich hoffe, dass es auch so bleibt. Natürlich versucht Johanna, sich immer weiter mit ihrem Bobby car oder mit dem Rad von unserem Haus zu entfernen, aber ich merke, dass sie immer den "Rückblickkontakt" hält und nie sich ZU weit entfernt. Das wird sich irgendwann ändern...

Heute hat sie uns mit einem neuen Wort überrascht. Sie aß einen Joghurt, ich fragte, ob ich noch helfen muss - manchmal kann sie nicht alles "auskratzen".
- Soll ich Dir helfen, Johanna?
- Nein, leer!

Johanna will überall mitmachen. Auch beim Einkaufen.
- So Leute, ich muss jetz einkaufen gehen. Wer kommt mit?
- Nanna auch geht!

Das Einkaufen mit ihr gelingt leider nicht immer. Sie will den Einkaufzettel halten, lässt ihn natürlich irgendwo fallen, dann will sie aus dem Sitz herausklettern und schafft das. Wird sie zurück gesetzt, ärgert sie sich und schmeisst die Sachen heraus... Ich muss sie bestrafen und das Geschäft unverrichterer Dinge verlassen. Das kam in den letzten Wochen schon ein paar mal vor. Nun werde ich eine Zeit lang diese Aktionen lieber alleine durchziehen, Johanna macht eine "Einkaufspause".

Das Helfen ist bei ihr im Moment groß angesagt. Ich versuche, kleinere Aufträge für sie auszudenken. Sie freut sich riesig, wenn sie etwas geschafft hat. Immer wieder schaut sie mich an und fragt "Papa?" "Maria?" - das soll heißen, wir werden den beiden von ihren Erfolgen berichten.

In einer Woche ist Johanna 3,5 Jahre alt. Sie fand heute einen Zollstock und wollte sich messen. Als ich sie dann zur Wand gestellt habe und einen Strich über dem Kopf machen wollte, kam mir ihre Größe merkwürdig vor, zu groß war sie plötzlich. Sie stand auf den Zehenspitzen! Sie fängt an zu mogeln :-)

Dienstag, 4. Mai 2010

Kennt man solche Zettel?

Sie sind gelb, blau oder pink, in den knalligen Farben, und tun ihren Dienst brav und ehrlich: sie erinnern. Bei unserem Lebensentwurf sind sie total wichtig. :-) Gestern meinte Johanna, sie muss auch etwas aufhängen. Sie "schrieb" eine Erinnerung - ich musste ergänzen, dass diese für die Mama ist - und klebte sie an den Gefrierschrank - man sieht, dass die Tesafilmstreifen ganz schön gelitten haben :-)Der Zettel kommt später in Johannas Kindergartenkiste.

Montag, 3. Mai 2010

Kleine Notizen am Rande...

Die letzten Tage waren für mich sehr intensiv, Johanna musste eher "mitlaufen", es gibt wenig Fotos.

Am heutigen Montag konnten wir etwas länger Geplantes endlich realisieren.
Johanna kann sich nach wie vor nicht mitteilen, sie kann im KiGa nichts erzählen - nur mit Hilfe von Fotos... So haben wir uns angedacht, dass Johannas ErzieherInnen uns besuchen würden und Johanna zu Hause erleben würden.
Es war ein schöner Nachmittag mit interessanten Gesprächen und Gedanken. Unsere Gäste konnten ein wenig nachvollziehen, was Johanna vor dem KiGa-Einstieg gemacht und erlebt hat, wo waren ihre "Lernorte" und was sie macht, nachdem sie um 14:00 abgeholt wird.
Johanna war an diesem Nachmittag so aufgeregt, dass sie nicht einschlafen konnte, sie half mir sogar beim Tisch decken, Staubsaugen und Böden wischen - und alles gar nicht so schlecht. Als unsere Gäste da waren, hat sich Johanna leider lieber verkrochen. Nach und nach taute sie auf, "erzählte" etwas, aber eine wirklich "Zu-Hause-Johanna" haben die Gäste nicht erlebt... vielleicht nächstes Mal...

Sonst habe ich einige kleine Bemerkungen...

Als ich Johanna abholen wollte, fand ich sie am Tisch draußen, sie malte mit anderen Kindern. Ein Junge, der schon etwas älter ist und den ich öfter neben Johanna sehe, strahlte mich an: "Weißt Du, Johanna kann schon ein bißchen sprechen!"
"Wirklich?"
"Ja, als ich diesen schwarzen Stift genommen habe, fragte sie, ob ich alles schwarz malen will!"
"Aha..."
Das konnte ich mir im Moment nicht vorstellen, dass Johanna das sagen konnte, aber ich sah, dass der Junge es einfach gern sich - und Johanna - gewünscht hat, Johanna endlich sprechen zu hören. Die Kinder verstehen, dass sie eine der "Kleinen" ist, aber dass sie auch anders ist, schwächer auf jeden Fall, und wünschen ihr diese schnellere Entwicklung... Wächst da ein Sozialpädagoge heran?

Ein neues Mädchen mag Johanna sehr gern. Sie will Johanna überall mitnehmen oder gar tragen. Sie hätte sich vielleicht lieber eine große Puppe gewünscht - und meinte in Johanna eine solche überdimensionale Puppe zu finden. Ich habe nach Johannas Geburt gelesen, dass DS-Kinder oft bei den anderen Kindern so beliebt seien, weil sie sehr kooperativ sind und sich gern helfen lassen und gern Vieles mit sich machen lassen etc... Ich fragte mich und die Erzieher, ob dies bei Johanna zutreffen würde. Nein. Wenn das Mädchen zu stürmisch wird, zieht sich Johanna zurück. Sie gibt nicht sofort die Hand und lässt sich nicht überall führen. Sie macht das sehr deutlich mit "nein" oder versteckt ihre Hände einfach oder wehrt sich.
Hoffentlich behält sie diese Grundhaltung bis in die späteren Jahre, dann haben wir es etwas einfacher.

Sonntag, 2. Mai 2010

Ein paar Einblicke...

Der kalte Sonntag ließ uns, wie auch der Tag zuvor, überwiegend in vier Wänden sitzen. Wir haben Vieles aus dem am Samstag Angefangenen beendet und wollten unser "Arbeitswochenende" mit einer Fahrradtour beenden. Wir landeten... hm... wie schon oft... hier, über dem Fluß: Mit ihren fast 3,5 Jahren kann Johanna sich ziemlich gut mittteilen, auch wenn nicht alles im verbalen Bereich liegt. Sie "fragte", ob sie auch von dem Schokoladenstreifen probieren darf,und "sagte", dass es ihr gut geschmeckt hat...
- Nanna mehr? (Darf Johanna mehr essen?)
Im Cafe am Wasser war es schön, Johanna hat sich vorbildlich benommen, sie hat vielleicht jemanden angelächelt, aber sie war nicht aufdringlich o.Ä. Sie überraschte uns mit dem neuen Wort "fertig!" und dem Wunsch "Nanna Hause" (Johanna möchte nach Hause).

Die ersten Regentropfen kündigten an, dass es bald so richtig losgeht. Wir mussten wirklich schnell nach Hause. Johanna fand aber Gefallen an dieser Brücke - und natürlich ließen wir sie hier ein Weilchen laufen, um sie dann etwas früher ins Bett bringen zu können.

Das mit dem Ins-Bett-Bringen haben wir im Moment nicht ganz in der Hand. Abends, da es später dunkler wird, will sie nicht ins Bett. Morgens bekommen wir sie nicht aus den Federn. Nach dem KiGa ist sie so müde, dass sie beim Abholen einschläft. Ich bringe ein schlafendes Kind ins Haus, lasse es bis zu einer Stunde schlafen und wecke dann... Habe ich eine Tiefschlafphase "erwischt" - bekommen wir ein unzufriedenes Kind für den Rest des Tages.

Samstag, 1. Mai 2010

Ein kalter Samstag

ließ uns schön zu Hause bleiben... natürlich konnten wir Einiges erledigen, was schon länger wartete... so im Haus, im Haushalt... das Übliche...

Endlich sollte der Papa neue Gardinen im Büro bekommen und die Mama fand das sinnvoller, wenn sich Johanna mit Papa beschäftigt und nicht beim Nähen "hilft". Für so einen Fall hat Mama in ihrem Geheimfach immer etwas Neues. Diesmal ist das ein Bauernhof-Lernbuch, mit einer Tafel und Kreide sogar. Johanna will "schreiben" - das sind bei ihr Wellenlinien, sie spricht gerade : Ma -maSie ist nicht zufrieden, es wird abgewischt und wieder gekritzelt...

Sonst habe ich viel Zeit bei eb-y verbracht und für Johanna Bücher und neue Dinge besorgt. Ich merke, dass ich das Haus für solche Käufe nicht mehr verlasse, ich spare meine Zeit in diesem Punkt.

Mit Verspätung von ca. einem Jahr im Vergleich zu Maria holen wir unsere ganzen Videos und DVDs und Hörkassetten heraus. Das ist eine Menge, von allen Kindergenerationen... technisch gesehen sind wir natürlich nicht auf dem neuesten Stand, die DVDs kamen, als Maria alle Filme auf Videos schon hatte und kannte... Johanna hat bereits "Tarz-n", "Der König der Lö---", "Finder Nem-" und "Allad--" kennen gelernt. Gestern fand ich die beiden Mädchen beim Hören der Kassette "Findet Ne--" - Johanna hat zu meinem Staunen ganz aufmerksam zugehört und immer wieder mit Zeichen oder Worten "mitgemacht". Nun suchten wir die Vorlesebücher dazu zusammen, drei von diesen Geschichten fanden wir bereits, ich freue mich schon, mit Johanna die Bilder anzuschauen und die Hauptfiguren vielleicht zu nennen.

Mit ihrem spontanen Nachahmen überrascht sie uns immer öfter in der letzten Zeit. Bei uns hat es nie mit "Miau" finktioniert, aber einmal eine Katze gehört - und eben "nachgesprochen"... Beim Begrüßen der Nachbarn kam plötzlich "Abend!", bei der Diskussion über die Filme - "Bambi!" und bei einer Meinungsverschiedenheit "Oh, Mann!" :-)

Freitag, 30. April 2010

Das Bärenbuch!

- Papa! Das Bärenbuch! -
- der Papa macht am frühen Morgen die Augen auf und sieht Johanna, die sich zu uns geschlichen hat und jetzt Unterhaltung möchte. Das Buch von den kleinen Bären liegt aber eher in Papas Reichweite - also muss er jetzt "einspringen". Natürlich holt er das Buch. Johanna blättert darin und spricht Wörter laut aus: Pizza, Katze, Hose, Haare, Hut, Auto, Baby, Tasche, schlafen, essen, Baum, Apfel... Sie kann schon viele, viele Wörter, sie sind nicht immer im aktiven Gebrauch, aber - wir hören das - sie sind bereits "verankert".


- Mama! Wurstbrot! -
- die Mama denkt, dass sie falsch gehört hat und fragt nach, was Johanna gern möchte. "Wurstbrot!"
Man braucht nicht dreimal zu raten, was die Mama in den nächsten 5 Sekunden macht.



- Maria Hose putt bumm aua! - Johanna kommt von draußen mit einem ernsten Gesicht und erzählt mir etwas... "Maria hat die Hose kaputt gemacht, sie ist gefallen und hatte Schmerzen"
Ohje... Selten, aber passiert auch Maria: die Hose am Knie hat ein Loch, die Wunde muss verarztet werden...

Heute war ich mit den Mädchen in meiner Schule, zu einem Konzert. Johanna hat sich im Saal gut benommen, sie hat dem Chor zugehört und den Tanzenden zugeschaut. Danach wollte sie mit Gesten zeigen, welche Bewegungen gemacht wurden. Sie hat im Saal die Person erkannt, die sie im Skiurlaub am letzten Tag nach unten gefahren hat. Sie zeigte in die Richtung und rief laut "Mann! Mann! aua!" - wer uns im Skiurlaub begleitet hat, wird sich bestimmt an die Aufnahmen erinnern und meine Kommentare dazu. :-) Sonst hat sie nach dem Konzert die Menschen begrüßt - ganz ordentlich Hand gegeben, wie es sich gehört, sie hatte keine Angst, aber war auch nicht aufdringlich o. Ä. Vielleicht wird es langsam Zeit, dass wir Kindetheater besuchen oder uns nach passenden Angeboten in der Stadt umschauen...

Donnerstag, 29. April 2010

Nach einer längeren Pause

waren wir wieder mal zur KG.
Johanna hat gehört, dass es heute die Luftburg gibt! Das Kind, mit dem Johanna in der nächsten Zeit zusammen turnen wird, hat kurzfristig abgesagt, aber wir sind ja schon da... Was machen wir? Wir bleiben und versuchen, Johanna zu motivieren (der Grund für die Pause war Johannas Krankheit, Ferien und nachgelassene Motivation - alles zusammen).

Sie ging in den Raum hinein - oje, die Burg war noch ganz "platt". Sie ging ganz gezielt in die Ecke, wo der Schalter für die Burg war und ist, sie hat sich das von früher gut gemerkt. Und siehe mal da - schon kann man darin spielen. Danach ging es auf die Rutsche - sie konnte ohne Hilfe darauf klettern. Wer uns länger begleitet, hat diese Rutsche bereits öfter gesehen und Johannas Fortschritte darauf beobachtet.
Vor drei Jahren lag sie flach auf dem Bauch auf diesem blauen Plastik und schaute hilflos nach oben und ich konnte mir nicht vorstellen, dass sie sich je frei bewegen wird... Es hat sich wirklich Vieles geändert, sie kann frei laufen, aber das Hüpfen, Springen, Treppen Steigen etc. müssen wir noch viele Jahre üben.