Mittwoch, 19. Dezember 2007
Gute Nachrichten...
Na gut, dann machen wir es mit dem Anwalt.
Und siehe da:
die Antwort kam gestern ins Haus.
Die Buchstaben G, H und B sind auf einmal da!!! Behinderung - 100%!!! Rückwirkend!
Hat es sich beim Kind seit Sommer etwas geändert?
Vielleicht noch ein Chromosom mehr dazu gekommen?
Der Grund für die Buchstaben und die 100% steht aber deutlich schwarz auf weiß:
Down Syndrom. Keine weiteren Angaben... nicht mal Entwicklungsverzögerung...
Also habe ich richtig gedacht: man war einem einzelnen Sachbearbeiter ausgeliefert.
Und jetzt hat er keine Lust, seine Dienstzeit für Briefwechsel mit unserem Anwalt zu vertreiben.
Und wie immer an solchen tollen Tagen - wen treffe ich da?
Meinen Nachbarn, meinen - ehemaligen - Gynäkologen.
Er hat mich nicht zurück gegrüsst.
Sonntag, 18. November 2007
Krabbelgruppe - zu früh?
Das mit dem langsamen Gedeihen hat es in sich: alles, was sich auf die Wachstumsphasen bezieht, und alles, was wir an eigenen Erfahrungen und diesen der Vorgenerationen gesammelt haben und mit dem Wachstum verbinden, stimmt auf einmal nicht.
Dabei habe ich das Wachstum meiner älteren Kinder SO genau beobachtet und habe Soviel in Erinnerung. Ich wünsche mir manchmal, dass ich alles vergesse. Es ist den älteren Kindern gegenüber ungerecht…- wer wird Ihnen das Ganze erzählen, wenn sie die Erfahrungen mit ihren Kindern machen werden und viele Unwichtigkeiten aus ihrer jetzigen Sicht plötzlich WICHTIGST erscheinen?
Aber vergessen würde für mich persönlich heißen, dass ich nicht permanent Schmerz empfinde.
Mein Mann hat mir Vieles erspart. Er ging mit Johanna zur Krabbelgruppe. Sie war die Älteste. Und sie war die Langsamste und die Schwächste – in allen Bereichen. Hoffnungslos.
Er weiß nicht, ob er noch mal hingeht… Für ihn ist das auch nicht einfach…
Freitag, 9. November 2007
Schulische Integration - Nachfrage 2
Aus dem Gespräch ist Folgendes klar geworden:
- Es gibt sowohl Kooperationslassen als auch Integrationsklassen, oft sogar mit Auswahlmöglichkeiten... im Grundschulbereich.
- Bei den weiterführenden Schulen kann es zu Engpässen kommen, muss aber nicht (es steht die Hauptschule Innenstadt mit einer Integrationsklasse seit Jahren zur Verfügung).
- Was in 10 Jahren für eine Situation vorliegt (nach der Grundschule), ist absolut offen, es mache keinen Sinn, dieser Frage aktuell weiter nachzugehen.
Die GB-Schule Montessouri-Schule in Osnbarück ist aber leider dafür bekannt, dass die Kinder dort die sogenannten Kulturtechniken eher verlernen, als festigen, dass dort mittwochs den ganzen Tag Pizza "zubereitet" wird und viele andere Dinge, die mich schon jetzt abschrecken... Das ganze habe ich von einer bekannten Familie "aus der ersten Hand" gehört...
Wenn wir also nach der Grundschule keinen Integrationsplatz bekommen, landen wir dort... Albtraum...
Es gibt "in der Nähe" von Osnabrück eine junge integrative Waldorfschule, in der Johanna dann eventuell 12 Jahre bleiben könnte - NUR 1 Stunde 3 Minuten Fahrt von Osnabrück nach Everswinkel... das ist doch nix...
Mittwoch, 7. November 2007
Schulische Integration? Ist das nicht zu früh? oder schon zu spät?
Gut, es wird erstmal in der Friedensstadt Osnabrück nachgeforscht.
Ja, beim Jugendamt gibt es jemanden, der für schulische Integration zuständig sei.
Ja, es gibt zwei Grundschulen, die bereit sind, Kooperationsklassen einzurichen.
Ja, es werden immer nach Bedarf, wenn auch nicht ohne Schwierigkeiten, einige Plätze organisiert, aber
Nein, nicht nach der Grundschule.
Nein, es gibt danach keine Alternativen, ausser GB-Schule.Nein, die Regelschulen haben keine Kapazitäten und sind nicht dazu bereit.
Was sollen wir nun mit dem Kind Johanna machen?
Es will sie keine Schule haben.
Sie ist für die Gesellschaft nur eine unerwünschte Belastung.
Am Besten bleibt sie für immer dumm, dann ist das viel einfacher für die Mitarbeiter der Behinderten-Werkstätten, sie hin und her zu schieben...
Es wird von den Müttern erwartet, dass sie sich rechtzeitig darum kümmern, dass diese Belastung nicht kommt.
Bei den geborenen Kindern wird permanent nachgefragt, ob die Eltern nicht gewusst hätten... Es wird also das Leben von Johanna permanent diskutiert und in Frage gestellt... bis an das Lebensende? meins? Ihres? Oder wie lange? Käme jemand auf die Idee, diese Frage bei meinen anderen drei zu stellen ohne Einiges zu riskieren? Aber bei Johanna - wohl erlaubt...
Ich kann dieses Kind nicht mehr abtreiben! Was soll ich mit diesem Kind tun? umziehen? Aber auf diesem Planeten habe ich keine Idee, wo ich hinziehen kann...
Donnerstag, 19. Juli 2007
Keine Überschrift
In der Mailingsliste ist heute ein Meinungsaustausch zum Thema „Behinderung“.
Als meine Umgebung von Johannas Geburt erfahren hat, wussten viele nicht, was sie sagen sollten. Einige haben einfach erzählt, dass sie oder ihre Bekannten, Verwandten etc. schon etwas/viel Erfahrung im Bereich „Behinderung“ haben. Das war immer so ungefähr: Meine Schwester arbeitet schon seit Jahren mit Behinderten… Du, ich kenne viele, die mit Behinderten arbeiten… Down-Syndrom? - Ja, das waren die Nettesten im Heim, in dem ich mein Zivildienst mit Behinderten gemacht habe… Alle Aussagen trafen mich damals sowieso ganz stark, da ich nach der Geburt mit mir selbst, mir der Operation des Kindes und mit der „Behinderten“ - Situation in der Familie fertig werden musste. Aber eine Sache kann ich immer nur noch als sehr störend und eigentlich sehr respektlos empfinden: in allen Aussagen sind „die Behinderten“ nur Objekte gewesen, mit denen wir, die „Nicht-Behinderten“, arbeiten.
Mein kleines Mädchen, eben geboren, ist ab sofort nur als Objekt zu betrachten.
Die Menschen von der Frühförderung, die ins Haus kamen, die Leiterin eines heilpädagogischen Kindergartens, den wir besuchten, die Person von der Lebenshilfe - alle sahen in uns – und in unserem Mädchen, natürlich, - nur willkommene, stabiles Geld bringende Kundschaft. 80 € kostet eine Stunde, die Johanna als Frühförderung bekommt. Die Leistung diskutiere ich hier nicht. 2000 € monatlich kassiert der Kindergarten, wenn wir uns dort anmelden. Das ist ein gutes Geschäft.
Mein kleines Mädchen ist also nicht nur ein Objekt, sie ist ein Geld bringendes Objekt…
Wie lange? Lebenslang? Wird sie bei so vielen Geschäftsinteressen verschiedener Parteien überhaupt handeln dürfen?
PS. Wir haben z.Z. keine Frühförderung.