Posts mit dem Label Behinderten-Testament werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label Behinderten-Testament werden angezeigt. Alle Posts anzeigen

Mittwoch, 21. November 2007

Mein Testament ist fertig

Nach der ausführlichen Beratung und vielen Gesprächen ist es soweit. Mein Testament ist fertig.
Es gibt da Einiges, was auf den ersten Blick unwichtig erscheint, ist aber sehr zu beachten.
- Johanna als behindertes Kind bekommt nicht nur den Pflichtteil, sondern etwas mehr - dann kann keiner vom Amt das Erbe unter Frage stellen.
- Johanna ist nur Vorerbin, die Vorerbschaft wird bis zu ihrem Tode andauern. Die Nacherbin ist dann die Schwester, die sich eventuell kümmern wird.
- Johanna soll nur Sachleistungen beziehen - eine lange Liste von einer Seite habe ich zusammengestellt - von einer CD bis zur Urlaubsreise. Vom Anwalt geprüft, kam die Antwort: ja, das ist richtig, die aufgelisteten Leistungen werden nicht vom Sozialhilfeträger übernommen. Oh je, da waren auch die Betäubungsspritze beim Zahnarzt und Vitamine dabei - nicht mal das würde die Kleine ohne Weiteres bekommen, wenn sie in einer Wohngruppe wohnt. Total entmündigt. Da muss ich sie doch wirklich absichern...
- Alle Menschen, die als Betreuer und Testamentvollzieher agieren werden, kommen aus dem Familienkreis. Nach und nach mit dem Erreichen der Volljährigkeit. Keiner vom Amt.

Samstag, 13. Oktober 2007

Neues zum Behinderten-Testament

Heute ist wieder mal der 13. Der 13. Oktober und Johannas 11. Monats-Geburtstag. In einem Monat ist sie also 1 Jahr alt.


Und heute schreibe ich einen Beitrag zum Behinderten-Testament. Na ja, wenn es sein muss, muss es sein...
Die letzte Woche war bei uns sehr intensiv. Für die Fragen, die uns schon lange beschäftigen und an denen wir seit Wochen arbeiten, finden wir langsam Lösungen. In den nächsten Tagen verfasse ich mein Testament, das Johanna und andere Kinder von der Willkür schützen soll. Wer nicht versteht, warum es hier um Schutz geht, lese bitte meinen letzten Beitrag zu diesem Thema...

Unser Ziel wäre es, Johanna soweit wie möglich im Leben zu bringen. So weit, dass sie nicht vom Staat abhängig sein wird. So weit, dass sie arbeitet und Einiges, wenn nicht alles, trägt.

Unser Ziel ist aber auch, dass das, was wir nach unserem Tode hinterlassen, JOHANNA zugute kommt und nicht in einer – eventuell schlecht gewirtschafteten – Einrichtung verwurstet wird…

Unser Ziel ist es, dass sie NICHT nach einer Narkosespritze bei der Zahnbehandlung, nach einer hübscheren Brille, nach einer neuen Jacke oder nach neuen Musik CDs bettelt wird. Wir wollen, dass sie sich unabhängig von allen möglichen und unmöglichen Leuten vom Amt, sollten solche sich überhaupt in ihr Leben einmischen, einen schönen Urlaub, einen Abend im Theater oder eine Erholungsreise mit einer Begleitperson leisten kann… DAS ALLES wird nicht gehen, wenn sie – nach der aktuellen Gesetzgebung – nur über stolze 2600 € verfügen DARF.

Es gibt nun drei klare Wege, die es Johanna ermöglichen, von den Früchten unserer Ersparnisse zu profitieren. Diese Wege bauen wir in unsere Testamente ein.

Sollten Eltern behinderter Kinder dies lesen und auf die Idee kommen, dass ein solches Dokument in ihrem Leben auch wichtig sei, mögen sie sich gern bei uns wegen der Einzelheiten melden.

Sonntag, 16. September 2007

Behinderten-Testament

Am Wochenende haben wir uns in Radevormwald einen Vortrag angehört, den Sabine Maurer für Eltern behinderter Kinder organisiert hatte (hier brauche ich eigentlich einen Link, weiß aber nicht, wie es geht, nächstes Mal bin ich schlauer) und der von einem Anwalt für Erbschaftsrecht angeboten wurde.
In einer Gruppe von ca. 30 Eltern hat man nur wenige Hände sehen können, als es gebeten wurde, aufzuzeigen, wer schon ein solches Testament verfasst hatte... Na ja, das heisst, dass all die anderen, auch wir, unsere Kinder ziemlich "im Regen" stehen lassen werden, falls uns etwas passiert... Einiges ist uns jetzt direkt gesagt worden, was wir noch vor einigen Tagen gar nicht glauben konnten.

Sollte jemand aus den deutschen Raum dies lesen, denke bitte nach:
sollte einem Elternteil einer Familie mit einem behinderten Kind etwas passieren, steht nicht nur das Jugendamt vor der Tür und fragt, wie es den Waisen geht. Es steht auch das Sozialamt vor der Tür. Es bleibt natürlich nicht vor der Tür stehen, es geht bis an alle finanzielle Mittel, die es für sich sichern will für den Fall, dass das Kind irgendwann in einer Wohngruppe o.Ä. wohnen wird und Sozialleistungen beziehen wird... Das Sozialamt kann in diesem Fall überall eingreifen und kann viel unter den Geschwistern kaputtmachen.

Wird sich das Sozialamt direkt ums Wohlergehen des behinderten Kindes kümmern?

Nein. Es werden Betreuer, Verwalter, Gutachter, Vormund und Testamentvollzieher eingesetzt werden. Alle wollen und werden aus dem Nachlass der Eltern bezahlt werden.

Das behinderte Kind hat nichts davon, es darf im Erbschaftsfall ein "großes" Vermögen für sich behalten, etwa 2600 €. Davon kann es sich täglich eine Kugel Eis über einige Zeit kaufen. Es wird keine schönere Jacke oder eine Kinokarte extra oder soetwas bekommen. Alles wird vom Staat und von Betreuern, Verwaltern, Gutachtern etc. verwurstet. 30-40 Tausend Euro pro Jahr kostet ein Platz in einer Wohngruppe. Egal, was man einem Kind hinterlässt, wird das Geld schnell weg sein, ohne dass das Kind davon profitieren kann (auser dieser einen Kugel Eis). Wir haben uns bereits eine Einrichtung angeschaut, wir glauben nicht, dass dort die Gelder effizient eingesetzt werden. Aber wir Eltern werden nicht gefragt und dürfen nicht diskutieren, es wird ja nur die Summe genannt: 30-40 Tausend Euro pro Jahr und basta! Jeder, der das liest, wird sich fragen: wie lange muss ich für diese Summe arbeiten?
Wir fangen an zu denken.
Wir wollen unsere Johanna schützen.
Wir wollen aber auch unsere anderen Kinder schützen.
Wir wollen das geschwisterliche Mireinander nach unserem Tod schützen.
Wir wollen uns im Alter und unseren letzten Willen schützen.
Das Wort "Schützen" hört sich komisch an, aber jetzt haben wir verstanden, dass dieses Wort genau richtig ist.
Vor wem denn schützen?
Siehe oben.