Posts mit dem Label Amerikaurlaub 2008 werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label Amerikaurlaub 2008 werden angezeigt. Alle Posts anzeigen

Sonntag, 22. Februar 2009

Es wird dauern

bis ich von dem Tag in Salt Lake City berichten kann... Unsere Reise dorthin hat noch einige "Vorbereitungsmomente" gehabt, die wir von Zuhause beim besten Goog(e)ln nicht leisten konnten...


Am 08.02.09 habe ich mit dem Bericht angefangen - genau nach 6 Monaten, die bereits vergingen. Aber die Erinnerungen und die Eindrücke lassen mich nicht los. Ich denke, ich berichte weiter. Aus meinem kühlen Arbeitszimmer kann ich mir die Hitze und den Wind nicht mehr vorstellen, aber die Bilder "zeigen" dem Weg. Will jemand mit?
***

Wir verabschiedeten uns von dem netten "Alt-Hippie" Wayne und folgten seiner Empfehlung. Wir hatten an diesem Tag noch keine Ahnung, dass wir wirklich nach Salt Lake City fahren werden. Immerhin viele Hundert Meilen... Und von Mormonen hatten wir wenig Ahnung, nur allgemeine Kenntnisse (na, doch ehrlich, etwas mit Poligamie, Sekte, strengen Sitten und Glauben und und und), die man über Filme, Literatur, historische Romane vielleicht in all den Jahren vermittelt bekam... Aber auch von deren Archiven, in welchen angeblich versucht wird, die Daten über alle Menschen zusammenzutragen... Und davon, dass dort sehr, sehr viele Familien leben, die seit Jahren bereits Homepages und Blogs zum Thema DS führen, dass von dortigen Unis Apelle gegen Abtreibungen von DS-Kindern ausgesprochen werden, dass einige der Blogger-Familien über ihre Adoptiv-"DS-Kinder aus aller Welt" berichten und dass DS-Menschen dort in Medien etwas positiver dargestellt werden, als sonst in Amerika durchschnittlich der Fall ist. Dieser letzter Satz bezieht sich auf unsere Beobachtungen der vergangenen 2 Jahre.

Und an diesem Morgen im August wollten wir eigentlich mit der Kultur der Indianer etwas vertrauter werden.
Als wir dann auf dieser verlassenen, aber ordentlichen Straße vor einer Ortschaft standen, fiel uns ein Schild auf - der kleine Weg sollte zum Friedhof führen, die Durchfahrt war aber kathegorisch untersagt...
... dann gehen wir eben zu Fuß - das hat ja keiner verboten...Wir standen wirklich auf einem Friedhof. Die Gräber waren kleine Sandhügel, die bereits zusammengefallen sind. Manche Gräber konnte man kaum von dem Boden unterscheiden. Die Namen waren einfach: Tom, Bill, Mary... Es gab ein oder zwei Kreuze, aber sonst keine, nur ziemlich alltägliche Dinge, die in all den Jahren den Ruhenden zu verschiedenen Anlässen mitgebracht wurden...
Die indianischen Verstorbenen lagen hier, mitten in ihrer Natur, mit ihr verbunden - wie man sich das so nur vorstellen kann... Wir hatten viele Fragen, aber es gab kilometerweit keinen Menschen zu sehen... Die Hitze erlaubte uns nicht, die Kinder länger im Auto sitzen zu lassen, wir fuhren Richnung Pipe Springs.
Mitten auf einem Feld, ein wenig geschützt durch Bäume, stand ein Gebäude, das man in DE ein Kontainer nennen würde. Ein Gericht. Das klein Geschriebene hat uns nachdenken lassen... Aber wir hatten doch noch so viele Fragen... Wir haben uns überlegt, wir gehen dorthin und stören vielleich für einige Minuten deren ruhigen Arbeitstag... Man hat uns freundlich begrüßt - die Sekretärinnen und der Richter (wie gehört, in einem gestärkten weißen Hemd) haben sich Zeit genommen und uns das Innere gezeigt. Hier wäre kein Gericht für die Angelegenheiten des Stammes, hier wird nach dem amerikanischen Recht verhandelt. Indianer? Nein, hier nur wenige, sie wohnen nicht in der Ortschaft, sondern haben ihre Häuser außerhalb, auf den entlegenen Grundstücken, pflegen kaum Außenkontakte... Im Museum können wir doch fragen...

Na gut, dann fahren wir ist Museum, obwohl wir uns doch eher für das "Lebendige" und nicht für ausgestellte Dinge interessiertetn...

Auf dem Weg dorthin sahen wir eine Tafel, die uns von einem Tag der Ankunft von Mormonen berichtete und davon, dass sie hier in Frieden mit Indianern aufgenommen wurden und gelebt haben...


Eine solche Rasenfläche und ein gepflegtestes Dach konnte nur eine Kirche haben... Dieser Turm sagte uns noch gar nichts. Später werden wir verstehen, dass dies ein spezieller Turm ist.
Auf der Straße neben der Kirche sahen wir endlich Menschen, offensichtlich keine Stammes-Mitglieder... blond, hellhäutig... Viele, viele Kinder und Jugendliche, sie spielten auf der Straße und begrüßten unser fremdes Auto. Die Erwachsenen dagegen schauten etwas düster... sehr düster... Wir haben uns echt nicht getraut, hier einfach hineinzuplatzen. Wir dachten, wir fahren doch ins Museum, danach wissen wir mehr... Eigentlich sagte man "National Monument"...

Unser erster Blick zeigte uns: wir betreten Räumlichkeiten, in denen nur eine Person an der Kasse und einige Souveniers im Kiosk etwas mit den Indianern zu tun haben...
vielleich noch einige Fotos... Einige Hinweise auf die Stämme, die früher hier gelebt haben... als die mormonischen Siedler angekommen waren...

Nun wollten wir aber verstehen, was das alles auf sich hat, warum dieses "National Monument" eine solche Bedeutung hier hat und warum hier solche dicken Mappen mit den Stammbäumen rieseger Familien mit Fotos etc. so stolz liegen (man konnte nur den Familiennamen verfolgen, für einen schnellen Blick waren die Verhältnisse -Oma-Opa-Tante etc. gar nicht klar... aber mit den Mappen hätte man jemanden echt erschlagen können, so schwer waren sie)... Die Bezeichnung "National Monument" wird einem Objekt nur vom amerikanischen Presidenten persönlich verliehen, haben wir übrigens erfahren...

Die Stände erzählten die interessantesten Geschichten:
- Die Indianer der alten Stämme haben ein philosophisches Glauben an die Natur gehabt - alles lebt, alles fühlt, von Allem nimm dir nur soviel wie du brauchst, entschuldige und bedanke dich bei der Pflanze, beim Tier, beim Fluss, wenn du etwas für dich genommen hast, töte keinen Fremden und sei gastfreundlich. Das war schon eine positive Basis, die Siedler in Frieden zu empfangen und leben zu lassen...
- Die angekommenen Siedler, die wegen der Verfolgung ihres Glaubens etwa um 1849 gen Westen gingen, glaubten, aufgrund ihrer Lehre, dass die Indianer - das israelische Volk der Lamaniten sei, und ehrten sie sehr. Statt auszurotten, boten sie den Indianern ihre Hilfe und ihre Kenntnisse an.
Das war ja auch ein stabiles Fundament...

Der wichtigste Teil des Monuments war draußen, man durfte nur in einer Gruppe und nur mit einer Museumsangestellten dorthin. Wir warteten... Eine Decke, eine ziemlich lange bereits, lag aufgerollt auf dem Arbeitstisch. Jeder durfte einen Stern sticken und seine Unterschrift für die Unterstützung des Museums lassen.


In der Kühle des Eingangsbereiches haben wir diese einfache Handarbeit echt genossen...
Endlich war die Gruppe voll, zusammen durften wir "nach draußen"...
Diese kleine Fläche sollte darstellen, wie Indianer, die hier lebten, ihre Dörfer gestalteten...
Die nächste Fläche zeigte "die Ankunft der Siedler"
und plötzlich standen wir neben einem gepflegten Teich, mit Enten und viel Schatten und einem kleinen Damm - fast unwirklich hier in der Hitze,
hinter uns war eine Art Festung...
Nun erklärte man uns, dass alles, was hier ist, im Original-Zustand belassen wurde und nur nach Bedarf und nach besonderen Vereinbarungen erneuert wird, außer vielleicht der Ställe, die immer mal Reparaturen brauchen... Es handelt sich um eine der ersten Siedlungen aus dem Jahre 1849-50, und die Kirche der Jesu Christi ist dieser Siedlung besonders verpflichtet...
(es ist sowieso auf diesem Kontinent, dass die Dinge aus diesen Jahren fast antik vorkommen)

Erst wurden uns die Ställe gezeigt - diese alte Rasse der Kühe lebte hier vor 160 Jahren auch.
In der Hitze konnte man sich nur langsam bewegen - auch die Tiere waren schlapp.
Die Museumsmitarbeiterin, deren Gesicht und deren Haltung uns sehr beeindruckt haben, zeigte uns den Innenhof. Hier lebte eine Familie mit "Helfern" und "Reisenden". Ihre Aufgabe war, zu überleben und zu arbeiten - für sich und für den Bau des TEMPELS. Es wurde immer wieder "DER Tempel" gesagt - wir haben das Wort mit der Hauptkirche in Salt Lake City verbunden...
Eine Familie verstand man so: alle, absolut alle mussten schwer und viel arbeiten. Wenn es an den Frauenhänden mangelte, bekam der Familienoberhaupt noch eine und noch eine Frau...
Die innereren Räume - betonte man -wurden so belassen, wie sie waren...
Hier sind Original-Taufkleider ausgestellt worden, es wurden viele genäht...
Dieses Haus war wirklich eine Festung - die Menschen mussten sich sehr unsicher gefühlt haben... und alles ist so eng...
...aber sie hatten Telegraph - übrigens, die Frauen waren diejenigen, die alles bedient haben.
In einem der Räume hing eine Tafel, aus der hervorging, dass ein Mann vom frühen Morgen bis zum späten Abend seine Arbeit verrichten muss, dann hat er seine Pflicht getan, bei der Frau war es ein wenig anders: "but womens work would never done". Tja, kommt mir bekannt vor...
Trotzdem, mit diesem Haufen Frauenarbeit, was uns dort aufgezählt wurde, hatten sie doch Zeit gehabt, solche wunderschönen Decken (und Kissenhüllen, und Teppiche, und alles Mögliche) zu nähen.

Dieser ausgehöhlte Baumstamm leitete das Flußwasser durch die Küche und die "Käseküche", wo die Frauen Unmengen an Milch zu Käse verarbeiten mussten, um ihn dann für den Tempelbau abzuliefern...
Ein Kinderspielzeug war unter den Sachen - ein ganz tolles Ding...
Eine romantische Erinnerung an den damaligen Schnitt...
Wir verließen das "Monument" mit gemischten Gefühlen. Die Museumsmitarbeiterin, eine rassige Indianerin, betonte, dass sie hier die einzige sei, dass keiner aus ihrem Stamm Kontakte nach außen pflegen mag, und dass sie alleine mit ihrem Sohn wäre - sie bräuchte auf keinen zu hören... Wir werden also keine Indianer kennen lernen dürfen.

Aber jetzt waren wir weiter interessiert, wie sich das Leben im modernen Mormonenland gestaltet und was nun Salt Lake City und der Tempel und die Archive zu bieten haben...
Es sind wieder einige Hundert Meilen. Wir sind erst an der Grenze des Staates Utah. Wir fahren also hin!
Gepflegte, saubere, wohl organisierte Dörfer und kleine Städtchen werden uns all die Hunderte von Meilen begleiten. Man sagte uns, dass jeder Mormone ein Zehntel seines Einkommens der Kirche überlässt (ob vor oder nach der staatlichen Steuererklärung, konnten wir nicht in Erfahrung bringen) und jeder bedacht ist, so viel wie möglich zu erarbeiten - darin liegt die besondere Aufgabe und Pflicht und die besondere Gnade und Recht jedes einzelnen... Na ja, ihr wisst, woher ich komme, das habe ich schon im Leben woanders auch mal gehört...

Es sieht so aus, dass mein Reisebericht länger dauert... Vielleicht nächste Woche komme ich wieder dazu...

Sonntag, 8. Februar 2009

Eine Erinnerung

Ich wollte ja von unserem Besuch in Salt Lake City berichten. Als ich die Fotos durchgeschaut habe, fand ich tolle Sachen, die heute und morgen vor genau 6 Monaten passierten und von denen ich sogar die Fotos behielt. Warum "sogar" - weil in der Nacht davor, am 07.08 also, sind alle Fotos beim Herunterladen auf das Notebook verloren gegangen... Los Angeles, Las Vegas, die Wüste -alles bleibt nur als unsere persönliche berauschende Erinnerung...

In der Nacht vom 7. auf 8. August schliefen wir in einem Hostel, genauer gesagt, in einem Schuppen neben einer Tankstelle irgendwo mitten in einem Reservat auf dem Weg zum Grand Canyon.
Wir waren müde, wir waren an der Grenze unserer Kräfte, und zwar einige Male bereits... Ich konnte nur Maria sagen, dass wir irgendwann im Winter, vielleicht zufällig, unsere Reisebilder öffnen - und werden sehr sehr froh sein, dass wir all diese Wege gemacht haben.

Einen solcher Wege werden wir immer in Erinnerung behalten. Als wir vor der Reise vom GrCanyon gelesen haben, fanden wir eine Bemerkung, dass dieses Naturereignis alle europäischen Vorstellungen sprengt... Wir wollten uns überraschen lassen.Das war unser erster Flug mit dem Hubschrauber. Ich wusste nicht, wie sich das Fliegen darin anfühlt, aber nach einigen Minuten war klar: wie auf dem heimischen Sofa. Na dann wollen wir etwas sehen!
Der Wald, der viele ausgebrannte Flächen hatte, schien unendlich zu sein. Der Himmel war nicht gerade sonnig, dunkle Gewitterwolken störten den Piloten offensichtlich nicht.
Und hier, am Abgrund, hatte der Wald sein Ende, hier war DER Blick:
Keins meiner Bilder kann das darstellen, was unsere Augen links, rechts, gegenüber und hunderte Kilometer weiter aufnehmen konnten... Alles war zu gigantisch. Dieser Blick sprengte unsere Vorstellung von "groß", "sehr groß", "riesig"... alles war einfach unendlich.



Danach brauchten wir etwas Zeit, um das Gesehene ein wenig zu verarbeiten.
Die Nachmittagszeit, das Gewitter, das Nicht-Besitzen einer Navigationsanlage haben uns doch zum Fahren gezwungen. Die Landschaft zeigte uns, dass hier Menschen leben, die nicht auf ihren Feldern arbeiten, kaum Tiere besitzen und viel jagen. Es gab Hinweise zu den privaten Grundstücken in diesen entlegenen Indianer-Gebieten.
Wir waren froh, überhaupt eine Ortschaft gefunden zu haben... Der Koch im kleinen mexikanischen Restaurant sorgte dafür, dass wir kaum etwas essen konnten, ohne nach jedem Biss ein Glas Wasser trinken zu müssen...
Alle amerikanischen Kinder sollen ein solches Gericht mögen: ein Würstchen, mit etwas Süßstoff, im süßen Teigmantel... Unsere Kinder mussten immer noch hungrig das Restaurant verlassen... Gut, dass wir für Johanna immer Gläschen hatten...
Der Abend war in Sicht, aber wir wollten doch noch ein Stück fahren, um den Weg zum Bryce Canyon "weg zu bekommen". An dieser Tankstelle trafen wir zum ersten Mal einige Indianer. Es waren ganz besondere Typen, mit Elementen der Nationalkleidung, aber ganz "alltäglich"...
Nach wenigen Minuten sind wir uns einig gewesen: wir müssen versuchen, ein indianisches Dorf, ein Städtchen, eine Schule vielleicht zu sehen. Einige Jahre zuvor, während der Reise nach Washington, haben wir uns gewundert: auf der Museumsmeile waren Museen für alles Mögliche, für alle möglichen Völker - aber nicht für Indianer... es sollte als eine baldige Baumaßnahme vogesehen worden sein...
Na dann fahren wir hin! Nur wohin?
Wir dachten, wir fahren einfach los, dann fragen wir jemanden.
Naive, naive Reisende... Ab diesem Foto gerechnet, haben wir über 300 km, bis in die Nacht hinein, keinen Menschen gesehen... auch keine Haltestelle, keine Tankstelle, kein Motel-Hotel-sonstwas... Die Unsicherheit, die wir gefühlt hatten, kann man jetzt nicht mehr beschreiben, aber wir dachten schon, wir müssen hier in der Wüste übernachten...

Zum großen Glück erreichten wir Kanab, ein kleines Städtchen in Utah, noch vor der Minute, in der das letzte Zimmer im letzten Motel vergeben wurde... Es wurde unser! Halb tot, konnten wir nur Johanna versorgen und umfallen, auch ohne zu essen...

Der Besitzer des Motels sah am Morgen nicht so bedrohlich aus, wie wir es in der Nacht erlebt haben. Ein Alt-Hippie und ein nettester Mensch, versorgte er seine Gäste so gut wie er konnte... Aber er konnte nur sehr einfach... Dieser Haufen verklebter Kuchen und Rosinen - und anderer Schnecken und Ecken war unser Frühstück.Ihn haben wir gefragt, in welcher Gegend wir die Möglichkeit hätten, die Kultur der Indianer kennen zu lernen... Er zeigte uns die Karte. Das lilane Feld etwas südlicher sei ein Indianer-Land, dort befindet sich ein National Monument (Sternchen), und in Colorado City gäbe es ein Museum... Toll, da fahren wir hin! Naive Reisende! Man muss leider wissen, dass nicht alle dort Lebenden ihre Umgebung kennen...

Aber das wussten wir noch nicht und fuhren los.
Nach ca. 20 Meilen standen wir in einer Gegend, die menschenleer und gepflegt zugleich aussah...

In wenigen Minuten werden wir verstehen, dass wir uns im Bereich befinden, in dem fremde Besucher nicht gern gesehen werden. Wir sind in einem Mormonen-Dorf. Später werden wir erfahren, dass hier mormonische Familien leben, die nach "alten Traditionen" geordnet sind und die von den Behörden nur wegen der Entlegenheit toleriert werden...
Unsere Reise durch das Mormomen-Land fing an.