Montag, 26. Dezember 2011
Ein Jahr geht zu Ende...
In den letzten 6 Wochen erleben wir eine rasante Entwicklung. Ein Traum - das Hotel wurde angenommen, wir hatten und haben viele Gäste, einige Tage bereits wurde das Haus wirklich voll, wir mussten die Menschen abweisen. Ein Albtraum - wir sind Arbeitgeber. Ein Traum - die Baustelle ist beendet, es wird nur an einigen Details gearbeitet. Ein Albtraum - die Verwaltung klaut die Reste der Luft, die noch übrig waren. Ein Traum - ein Blick auf das ganze Jahr der harten Arbeit, und das ist ein zufriedener Blick. Ein Albtraum - das soziale "Umdenken"...
Darüber möchte ich mehr schreiben. Passt das überhaupt in Johannas Blog? Sie schaut ja in der Überschrift in die Welt... haben wir ihr mit diesem Haus eine "richtige" Welt verpasst? Sie schaut ja nicht in irgendeine Waldorf-eingehauchte Welt, sondern erst in unsere, Eltern-welt hinein...
Johannas Papa hat da seine eigenen Gedanken.
Ich, ihre Mutter, wühle und wühle in meinem Gedächtnis...
Und hier sind nun meine Gedanken.
Mit einem Schulzeugnis mit 1,0 öffnet sich eine große Welt. Mit einem Studiumabschluß von 1,1 öffnet sich auch Eigenes... aber... als eine aleinerziehende Mutter und kein Partei-Mitglied... muss man ein Weilchen warten, bis man promovieren kann. Irgendwann steht einer Doktorarbeit nichts mehr im Wege... außer dass das Land plötzlich auf die Idee kommt, keine Stipendien etc. für die Sprachwissenschaft zu zahlen... Was ist nun mit der stolzen Doktorandin? Dann kann die angehende Doktorandin vielleicht etwas anderes tun, um ohne Ünterstützung des Staates auszukommen? Es wird genäht! Abendkleider, sie bringen viel Geld. Eine Nacht Nähen bringt so viel Geld wie zwei Stipendien...
Aber schon damals wurde es klar: ein soziales "Umdenken" war nötig. In dem Moment, in welchem man vor einer Kundin kniet, um den Saum abzustecken, zeigt sich jede Kundin anders. Schon damals habe ich gelernt, auch im Knien - oder besonders im Knien - den Blickwinkel auf sich selbst nicht zu verlieren.
Ich fragte mich damals, wozu ich das alles mitmachen musste.
Nun weiß ich das.
In dem Moment, in dem man dem Gast Frühstück serviert, ein frisches Tuch bringt oder gar das Zimmer putzt, zeigt sich jeder Gast nun... wie man das besser sagen kann... ANDERS... es wird Vieles ausgelebt, was in Einem vieleicht lebt und sonst keinen Ausgang findet...
Früher, noch vor 6 Wochen, war meine Welt sehr jung. Ich war umgeben von jungen Menschen, aus den Familien, in welchen man sich um die Kinder kümmert... Jetzt ist das nur meine "Vormittags-welt". An den Nachmittagen lerne ich viele andere Menschen kennen. Nicht nur Alter oder Beruf... auch Respekt zu meiner, "niedrigen", Position...
Aber ich kenne und kann das ja schon. Auch im Knien - oder besonders im Knien - den Blickwinkel auf sich selbst nicht zu verlieren.
Komisch, der Beruf heißt schon abwertend... ZimmerMÄDCHEN...
Und noch einmal... Passt das überhaupt in Johannas Blog? Sie schaut in die Welt... haben wir ihr mit diesem Haus eine "richtige" Welt verpasst? Werden die Menschen unserem "unperfekten" Mädchen mit Respekt begegnen? begegnen können?
Samstag, 9. Juli 2011
Betreut
Als Johannas Großtante plötzlich mit einem gebrochenen Bein nicht mehr zur Verfügung stand, bekam ich Panik: wie soll ich an diesem Samstag das angekündigte Seminar in der Schule leiten, wenn keine Betreuung da ist?
- Warum melden Sie Johanna nicht bei der Kinderbetreuung, die für die teilnehmenden Eltern angekündigt wurde?
... Ja, warum eigentlich nicht?
Kurzerhand ließ ich Johanna in die Interessenten-Liste eintragen.
Am Morgen standen wir, zwei Frauen, vor den Räumlichkeiten, in denen die Betreuung stattfinden sollte. Zeit für einen großen Abschied und eine längere Eingewöhnung hatten wir nicht. Die jungen Damen, drei Oberschülerinnen, kamen wenige Minuten vor dem Beginn. Also, Johanna, ab ins kalte Wasser!
Es ging alles ganz toll. Johanna fand einen kleinen Mitspieler und verbrachte die ganze Zeit in der Spielküche. In der Mittagspause ging ich mit Johanna in die Schulküche. Sie verputzte einen ordentlichen Teller Risotto und fühlte sich so, als ob sie immer schon dort heimisch wäre.
Mittwoch, 29. Juni 2011
Ich liebe alle Mongos!
Irgendwann werde ich mehr erzählen, welche Menschen mit welchen Lebensgeschichten uns in letzter Zeit begegnen. Besonders, wenn wir unserer Nachmittags-Arbeit nachgehen.
Ich verbrachte eine Stunde Wartezeit in einem kleinen Cafe. Leer am Tag, scheint es abends immer ein gefragter Lokal zu sein. Die Buffet-Theke mitten im Raum ist wunderschön und ist sehr gut durchdacht. Da ich mich nun für sowas plötzlich interessiere, sprach ich den Besitzer an. Die Welt ist klein. Natürlich kennt er das Haus, dessen Fassade ich bei jeder wettebedingten Gelegentheit mit bunten Farben versehe.
Ein Handwerker, der Johanna kurz davor draußen angelächelt hat, kam zu seinem Feierabend-Bier. Sie alle hier scheinen sich zu kennen.
Frag´ doch die Dame da, sie baut gerade, vielleicht braucht sie dich?
Danke, ganz lieb gemeint, wir brauchen momentan eine Andere Fachrichtung !
Was ist das denn für ein Bau? Oh. Geerbt? Oder ein Sinneswandel mitten im Leben?
Ich erkläre, geduldig, zum zigsten Mal. Die Menschen sind oft irritiert.
Aber ich erkläre. Die Menschen kennen sich weder mit DS aus noch fragten sie sich, was genau die Werkstätten eigentlich sind... und warum wir, die "Quereinsteiger", plötzlich auf diese Idee gekommen waren... und wenn sie dann langsam begreifen, verstehen sie nicht, warum "so ein" Kind nicht unter "seinesgleichen" lieber bleiben sollte. Was habe ich schon für gegenfragen bekommen.... egal... wir machen ja einfach weiter...
Aber der Handwerker ist nicht irritiert. Er nickt, mit viel Sachverstand. Ah, das ist das kleine Mädchen, das ihn begrüßt hat? Ja, er hat auch einen jüngeren Bruder, der DS hat und der schon 34 ist. Er erzählt weiter, die Augen leuchten. Oh je, der hat als Kind so viel Quatsch gemacht! Jetzt wohnt er in einem Haus der Lebenshilfe, wo er ein Zimmer für sich hat und sogar selber für sich kocht... Er geht dort arbeiten... gut zufrieden... manchmal kommt nach Hause... oft bleibt er lieber dort, da ist er unter "seinen"... sie sind alle toll! "Ich lieeebe alle Mongos!"
Ich bekomme Adressen gesagt, wo ich nach meinen aktuell gesuchten Gewerken fragen soll, und wir gehen auseinander wie alte Bekannte. Na klar kommt er mit seiner Familie mal zum Kaffee vorbei, wenn wir soweit sind!
Dienstag, 28. Juni 2011
Wenn die beste Freundin
28.06.2011
Vielleicht ist das dann gerade die Möglichkeit, andere Kinder wahrzunehmen?
Johannas beste KiGa-Freundin ist bis August unterwegs. Johanna musste sich andere Spielkameraden suche. Wie ich gehört habe, spielte sie in einer Jungen-Gruppe mit. Das war der erste Tag. Ich bin gespannt, wie sich die Situation weiter entwickelt.
Zwei Wochen in diesem Sommer verbringt Johanna im Ferienkindergarten. Zu unserem großen Glück ist dieser Kindergarten in diesem Jahr gerade der unsere Kindergarten. Und da Johanna das einzige I-Kind darin ist, wurde es entschieden, dass gerade unsere Gruppe zum Aufenthaltsort werden sollte. Johanna hat demensprechend Heimvorteil und kann sogar ihren Kleiderhaken bekalten. Der Rest ist dann die Flexibilitätsfrage: jede Woche gibt es eine andere Kinder-Konstellation. Es wird zusammen viel unternommen, sogar außerhalb des Kindergartens, es wird zusammen gekocht - auf die tollen Erfahrungen für Johanna freue ich mich schon jetzt. Nun bleibt es zu hoffen, dass sie sich mit anderen Kindern schnell verstehen wird und neue Freunde... na, Spielkameraden... findet.
Sonntag, 29. Mai 2011
Sportliche Aktivität
Es gibt einige Gruppen und Clubs in den verschiedenen Stadtteilen, mal mehr gefragt, mal weniger gut ausgestattet, mal ganz schlicht...
Ich fing an, nachzufragen.
Die erste Anzwort fühlte sich genau so an, wie ein Schlag gegen einen Mehlsack. Sie fühlte sich... wie nichts...
Na gut, wir fragen weiter...
Wir bekamen eine freundliche, herzliche Einladung, wir dürften sofort mitmachen, eine Gruppe ohne Eltern, man wird sich auf Johanna ein wenig vorbereiten, dann kann man besster planen...
Ich werde mich/uns bei einer solchen Offenheit ja nicht zwei Mal einladen:-) Wir rennen sofort hin!
Samstag, 28. Mai 2011
Baby & Co.
Heute brachte Johanna ein Büchlein mit - sie hat es im Stuhlkreis bekommen. Es wurde nämlich über das "Kinderkriegen" diskutiert. Ein ganz kleines Baby war anwesend und alle Kinder durften ein Kleidungsstück ausziehen oder beim Ausziehen helfen, alle wollten sich das Baby anschauen. Der Bauchnabel war eine beeindruckende Geschichte. Anwesend waren noch eine schwangere Mutter und eine Hebamme, die beim Ungeborenen die Herztöne abgehorcht hat, wobei die Kinder auch mithören durften.
Johanna hat viel mitbekommen und erzählte uns zu Hause. Tja, ihre Schwester muss eine Menge Babys bekommen, für sich und für Johanna...
Sonntag, 22. Mai 2011
Hier ist eben ein Artikel erschienen:
05.04.11
http://www.aerztezeitung.de/panorama/default.aspx?sid=646136
Da die Texte oft nach einiger Zeit nicht mehr zur Verfügung stehen, möchte ich diesen Artikel im Johannas Tagebuch mit dem heutigen Datum, mit ihren 4 Jahren und fast 5 Monaten, festhalten.
Das ist eine Intension, die wir Johanna auch wünschen, und in dieser Richtung machen wir bereits etwas für Johanna.
Aber erstmal der Text des Artikels:
Eine kompetente Mitarbeiterin im Eissalon
Zunächst hat die junge Frau nur die Spülmaschine ein- und ausgeräumt. Doch dann hat sie nach und nach in einem Marburger Eissalon immer mehr Aufgaben bekommen und souverän erledigt: Johanna Seip hat das Down-Syndrom - und eine Arbeit, die ihr viel Spaß macht.
Von Gesa Coordes
Sie ist grundehrlich, pflichtbewusst, lebhaft und lustig: Johanna Seip macht die Arbeit im Eissalon viel Spaß.
© Gesa Coordes
MARBURG. "Sie ist grundehrlich, pflichtbewusst, sehr interessiert, lebhaft und lustig": Wenn der Marburger Cafébesitzer Marcello Camerin über Johanna Seip spricht, hört es sich fast so an, als sei sie die ideale Mitarbeiterin. Doch die 21-Jährige mit dem freundlichen Lächeln hat das Down-Syndrom und gilt als geistig behindert.
Eine Anfrage von den Lahnwerkstätten
Deswegen war Marcello Camerin zunächst sehr skeptisch, als die nahe gelegenen Lahnwerkstätten bei ihm anfragten, ob Johanna Seip bei ihm arbeiten könne. Doch er probierte es. Anfangs räumte die junge Frau nur die Spülmaschine ein und aus.
Dann schnippelte sie Obstsalat. Und inzwischen hat sie ihren festen Platz an der Theke. Sie macht Latte Macchiato, Espresso und Cappuccino an der Cafémaschine, wischt die Tische, kauft ein und bringt Getränke zu den Kunden. "Wenn ich es gut gemacht habe, bekomme ich Trinkgeld", erzählt Johanna Seip. Von ihrem Geld hat sie sich bereits einen Fernseher gekauft.
"Wir haben sehr schnell gemerkt, dass Johanna sehr viel mehr kann, als wir uns hätten träumen lassen", sagt der Chef. Nur an die Kasse darf sie nicht, weil sie nur ein wenig rechnen kann. Und die Kollegen achten darauf, ihr immer nur eine Sache aufzutragen.
"Sie ist regelrecht aufgeblüht", sagt Bernd Engelhardt, der bei den Lahnwerkstätten für die berufliche Integration der mehr als 300 behinderten Mitarbeiter zuständig ist. Jeder Zehnte arbeitet außerhalb der Werkstatt. "Man muss Nischen finden", sagt der Experte: "Und die Chemie muss stimmen."
Am liebsten isst sie Erdbeereis
Das ist im Eissalon Camerin in Marburg-Wehrda offenbar der Fall: "Buon Giorno", ruft die 21-Jährige den deutsch-italienischen Mitarbeitern zur Begrüßung zu: "Ich mag alle hier", sagt sie. Am liebsten isst sie Erdbeer-, Pfefferminz- und Waldmeistereis.
Leider darf sie aus gesundheitlichen Gründen nicht viel Süßes essen. Trotzdem liebt sie ihren Job so sehr, dass sie die Arbeitszeit freiwillig verlängert hat. Dabei bedeutet dies, dass sie nun allein mit Bus und Bahn in ihr Heimatdorf zurückfahren muss.
Die Sorge um die Kunden war offenbar unnötig. Die Cafébesucher haben die junge Frau ins Herz geschlossen, die gern mit jedem ins Gespräch kommt.
Die 21-Jährige erzählt von ihren Neffen, ihrem Freund, von Harry Potter und Bayern München. Manchmal müsse man sie da ein wenig bremsen, erzählt Camerin. Und wenn die Bayern verlieren, kann ihr das aufs Gemüt schlagen.
Für das Eiscafé ist Johanna Seip eine wertvolle Mitarbeiterin geworden, die Camerin nicht verlieren möchte. Wenn ihr Langzeitpraktikum im Herbst ausläuft, wird sie übernommen. Dafür gibt's finanzielle Unterstützung vom Landeswohlfahrtsverband.
In Deutschland leben etwa 50 000 Menschen mit Down-Syndrom. Johanna Seip ist auf einem guten Weg. Seniorchefin Mirella Camerin: "Wir sind sehr zufrieden. Sie passt gut hierher."
Mittwoch, 4. Mai 2011
Begleitung
Heute wurde Johanna über den ganzen Morgen und am Nachmittag von zwei Damen begleitet. Sie wollen mehr von Johanna, einem 47-er Kind und Integrationskind, erfahren - um eventuell auch andere Menschen mehr davon erfahren zu lassen.
Am frühen Morgen ging Johanna zum Brötchen-Laden, sie wollte unbedingt alleine gehen und hat mich nur auf einer bestimmten Entfernung "geduldet".
Dienstag, 1. März 2011
Das mit unserem Reiten...
Hier sind einige Aufnahmen aus den Momenten, in denen sie sich doch neben/auf dem Pferd aufhielt...
Nach dem kalten Winter verliert das Pferd eine Menge Haare... alles muss herausgekämmt werden. Einen kleinen Beitrag bei der Pflege leistet Johanna auch.
Manchmal protestiert in mir mein Inneres: Mensch, dieses Kind wird ja nie so richtig integriert sein, Freundschaften sind fragwürdig, Partnerschaft im Moment unvorstellbar... muss sie sich da trotzdem überall einfügen? Wenn sie alleine bleibt, nicht eingeladen wird etc., dann ist das so.
Solange sie uns hat, ist das schon erstmal nicht der Fall. Den Rest wird sie irgendwann alleine meistern müssen...
Sonntag, 27. Februar 2011
Ein Sonntag ohne Plan...
Aber ich hatte diesmal keinen Plan.
Und so griff ich zu unserer Dauerkarte bei einem Indoor-Spielplatz.
Natürlich musste ich mir denken, dass auf eine solche glorreiche Idee viele Menschen kommen. Das war auch so. Einen Parkplatz haben wir nicht bekommen, ein Regal für unsere Schuhe -auch. Johanna störte das nicht so wie mich, ich nahm mir vor, mich in den nächsten 2 Stunden - Johanna zuliebe - zusammenzureißen.
Einen Platz auf dem Trampolin hat Johanna ergattert und war ganz glücklich.
Zum Abschluß bekam Johanna eine 2 -€-Münze, für die sie an der Theke 4 Einwurfmünzen bekommen hat (bitte wechseln!) , und hat ordentlich Gas gegeben - auf der "Rennstrecke" natürlich.Wichtig ist, dass sich Johanna adekvat benimmt. Sie nervt andere Menschen nicht, sie respektiert "fremde" Grenzen, sie wartet in der Schlange und drängelt sich nicht vor. In diesem Punkt unterscheidet sie sich nicht von ihren Geschwistern. Wenn es mit dem Sozialverhalten stimmen wird, haben wir noch Hoffnung...
Freitag, 11. Februar 2011
Die kleine Hexe
Johanna rennt mir entgegen. Sie hat ein Köstüm an und "zaubert" dabei.
- Mama! Hexe! Hexe!
Ich klopfe an der Jackentasche und entdecke die Kamera! na klar - es wird geknipst!
Vor einigen Tagen sprach mich eine Mutter an. Ihr Kind erzählte zu Hause, dass Johanna, "die Kleine", schon ganz gut Menschen malen kann. Das andere kann sie noch nicht alles und noch nicht alles gut. "Aber sie ist ja noch klein!"Ich wünsche Johanna Menschen, die sie im Leben akzeptieren, auch wenn sie größer werden.
Sonntag, 30. Januar 2011
Wieder im Theater
Das Stück sollte ausverkauft sein, bestätigte mir der Reservierungs-Anrufbeantworter... Das macht nichts. Seit vielen Jahren weiß ich, dass es immer freie Plätze gibt und dass ich mit Maria noch nie nach Hause fahren musste. Und siehe mal da - die ganze Empore ist frei, wir sitzen dort königlich allein, das sind die besten Plätze im Gebäude - warum sitzt dort keiner?
Das Stück heisst "Dornröschen", Johanna kennt die Geschichte sehr gut... wird sie die Puppen auch erkennen?Das Stück wird von Pappen Elli gestellt (ein NAME in Osnabrücker Kindertheater-Szene). Ich habe Pappen Elli 9 Jahre nicht gesehen... Nun... Der Zahn der Zeit nagt an jedem, aber nicht an ihrem feinen Humor.
Sie denkt allerdings, und das immer schon, dass die Kinder alles ziemlich langsam aufnehmen... so ist seit Jahren ihre Geschichte aufgebaut. Ich bin jetzt nach 9 Jahren wieder hier und beobachte, dass die Kinder, "erzogen" auf schnellen, sich rasch abwechselnden Bildern, viel zügiger mit dem Aufnehmen sind. Auch Johanna, auch bei ihrer generellen Problematik... Als Pappen Elli schon zum dritten Mal erklärte, dass ihr Zauber-Märchenbuch pieckst, da es Dornen hat, und auf ihren Finger lange pustete, wurde es Johanna langweilig... Oh je... sie sagte mir ins Ohr, aber leider immer noch laut genug: "Mama! Nach Hause gehen! "Lauras Stern" gucken!" ...Soviel dazu...
Zum Glück waren wir doch weit genug von der Bühne... und der Rest der Darstellung wurde etwas spannender und informativer... tja... Johanna braucht Input... ich werde sie nicht mit sich wiederholenden Bildern und Infos abspeisen können...
Nach der Vorstellung hat sie sich zu meinem Staunen gut orientieren können und ist ohne Probleme in der Menge zur Garderobe vorgelaufen. Natürlich war sie in diesem Gebäude die Einzige mit einem gewissen extra. Um uns waren nur junge Eltern und vereinzelt Großeltern. Viele Eltern, mit dem ersten Kind in der ersten Reihe sitzend, waren noch in der Familiengründungsphase... Solche Menschen schauen sich Johanna mit besonderem Interesse an. Ich bin alt genug, um ihre Gedanken dabei lesen zu können. Was ist, wenn bei uns auch sowas...??? Solche jungen Frauen, die sich mit einem "nächstes-Kind-Gedanken" noch tragen, schauen nicht nur neugierig zu, manche wollten heute Kontakt aufnehmen. An der Garderobe beobachtete eine junge Frau mit zwei kleinen Mädchen, wie Johanna diesmal versuchte, erst mir in die Jacke zu helfen, dann sich selber :-). Sie traute sich und fragte Johanna direkt:
-Und Du? Wie hat Dir das Stück gefallen?
- Gut!
- Welche Puppe hat Dir denn gefallen?
- Baby!
- Oh... (die Puppe war nämlich nicht zu sehen, es wurde aus dem Bettchen nur geweint :-) )
- Baby traurig!
- Oh ja, das Baby hat geweint, da hast Du Recht! (Die Bemerkung, dass das Baby "traurig" war, hat die junge Frau sogar positiv überrascht, da dies bei ihr den Gedanken über "höhere" Abstraktionsfähigkeit auslöste... tja, Johanna sagt zu jedem Weinenden "traurig" - das weiß in diesem Moment nur ich, und ich schweige :-)) Sie hat noch etwas gefragt, Johanna hat vernünftig geantwortet... na, es geht doch!
Auf dem Weg zum Auto merkte ich, dass Johanna ein großes, großes Intersse an ihrer Umwelt hat. Alles würde sie lange betrachten und anschauen, auf jeder Bank sitzen bleiben und in jede Tür hineingehen... Dieses Interesse kann sie leider kaum stillen, da wir ihr offensichtlich nur wenig Luft dazu geben. Immer schneller, immer in der Eile... Schade für Johanna, aber wie soll ich meine Lebenszeit strecken, um auch dafür noch Luft zu verschaffen?...
Die Menschen, die nach dem Gespräch mit Johanna - eventuell -beruhigt heute nach Hause gingen, ihre Kinder hüpfend hinterher, wissen nicht, wie sich so ein kurzer Weg zum Auto gestaltet. Ich trug Johanna bereits ein Stück, da sie NICHT mitkommen wollte... Dann blieb sie auf den Stufen sitzen...
Jetzt kann ich sie noch tragen.
Wie soll es in einem Jahr gehen?
Na ja, diese Frage stelle ich mir in einem Jahr. Aber heute bin ich zufrieden, dass sie sich so gut benommen hat und dass sie fast eine Stunde der Vorstellung aufmerksam zuschaute. Zu Hause berichtete sie, mit meiner "Übersetzung", vom eingeschlafenen Feuer - auch solche Details hat sie aufgenommen!
In zwei Wochen sind wie wieder dort. Das nächste Stück ist ganz neu.
Montag, 24. Januar 2011
Der erste Eintrag
veröffentlicht mit Verspätung... 07.01.2011
Freitag, 10. Dezember 2010
Die Sterntaler
Johannas zweite Kindergarten-Adventsfeier war heute. Letztes Jahr gab es ein Schwarzlichttheaterstück, Johanna hatte eine kleine Rolle, klitze-kleine genauer gesagt. Zusammen mit ihrer Erzieherin hat sie eine Lichtkegel unter den Tannenbaum gestellt - sie war "der Engel, der brachte das Licht hinein"...
Ich war heute sehr gespannt, was wir Eltern zu sehen bekommen. Es sollte wieder eine Überraschung werden und erzählen - das tut Johanna sowieso nicht... Im Bewegungsraum versammelt, bekamen die Eltern das Stück "Die Sterntaler" angekündigt. Gut organisiert kamen die "Schauspieler" in den Raum und nahmen ihre Plätze auf der Bühne. Ich schaute hin und suchte mit den Augen eine der Erzieherinnen, die Johanna bei der Hand führen würde... Keine Erwachsenen... Kommt Johanna nicht? - Tja, ich habe sie übersehen, sie ist längst da, sie ist ein "Sternkind" und sitzt "im Wald"- sie brauchte also keine Hilfe...
Im Stück hat jedes Kind aus der Gruppe eine Rolle bekommen.
Als die "Sternkinder" dran waren, konnten wir nicht aufhören, uns zu wundern: Johanna tanzte mit den anderen Mädchen, sie brauchte keine extra Unterstützung und wusste die Reihenfolge ganz genau. Nur ein Mal hielt sie das Schälchen mit der Kerze etwas zu nah am Gesicht... Getanzt wurde in der Dunkelheit, meine Kamera hat einige Aufnahmen mit dem Blitz "herausgeholt" - das hier kann ich wohl zeigen, nachdem ich das Bild ordentlich verunstaltet habe.
Ich habe bei Johanna ZUM ERSTEN MAL eine Bestätigung bekommen, dass sie bereits eine räumliche Orientierung besitzt und sich in einer tanzenden Gruppe harmonisch bewegen kann, sogar in einem dunklen Raum.Nach dem Stück wurde ich von einigen Eltern angesprochen, sie lobten Johanna und haben anerkennend ihre Teilnahme bewertet - nicht nur meine Augen also haben ihre Bewegungen verfolgt... :-)))
Die Feier danach ist sehr gut gelungen, für alle gab es gemütliches Beisammensein. Nach und nach sind die Kinder zum Spielen gegangen, Johanna habe ich weder zur Sicht noch aufs Bild bekommen - sie war ja in "ihren" Räumen, sie kennt sich bestens aus. Ein weinendes Kind mussten wir nach Hause tragen - sie wäre am liebsten dort geblieben...
Donnerstag, 2. Dezember 2010
Das wünschen wir auch Johanna...
Das Team lädt ein, den 111. Geburtstag mitzufeiern und Rabatte zu genießen...
Das wünschen wir auch Johanna, wenn sie soweit ist.
Samstag, 13. November 2010
Johannas Feier
Die Schwester hat sich tolle Dinge für das Büffet ausgedacht und Vieles eigenständig zubereitet. Immer wieder kam Nachschub aus der Küche. Das Dessert ist ihr besonders gut gelungen. Ich freue mich, dass sie sich mit ihren noch 12 Jahren für solche Sachen interessiert.Und wenn man mich fragt, wie es mir dabei ging, kann ich sagen: erst jetzt, beim Schreiben, merke ich, dass ich an die Geburt und das ganze Drumherum, was zu einer DS-Geburt damals gehörte, keinen Gedanken verlor.
Donnerstag, 11. November 2010
Sturm und Regen und Dunkelheit...
Ihre Laterne aus dem KiGa habe ich mitgenommen. Ich konnte mit Johanna zum Laternen-Umzug am letzten Freitag nicht gehen, so blieb die Laterne "unverbraucht". Johannas Laterne hatte eine Kerze drin, aber ich traute ihr das nicht und gab einen Plastikstab mit einem Lämpchen mit. Ich versprach, zum nächsten Jahr zu üben, sodass sie dann eine Laterne mit einem Holzstab tragen wird...
Und nun wird sie doch einen Latrnen-Umzug mitmachen. Nur geübt haben wir nicht. Schon wieder griff ich nach dem Plastikstab... o-o... die Waldorfmütter können nur Kopf schütteln...
Als wir im Zwergen-Raum waren, habe ich meinen Fehler total bereut. So etwas wie ein Plastikstab war dort fehl am Platz... in einer Bodenvase standen Stäbe, liebevoll aus glatten Zweigen geschnitten... und ich merkte, dass es dort einen Stab mehr gab, als die Anzahl der Laternen! Jemand hat an Johanna gedacht!!!
Es regnete; Johanna habe ich die beste Kleidung angezogen, die sie schützen konnte, und ich habe alle Daumen gedrückt, dass sie nicht nass und nicht kalt wird. Ein Orkan wurde ja angesagt.
Ich habe keine Fotos vom Umzug und keine Vorstellung, was mein Kind erlebt hat.
Als St. Martin ankam, mit Pferd und Schwert, hat sie sich ganz fest an U.´s Hand geklammert. Das Trompetenspiel hat sie dagegen nicht erschreckt, sie hat mit Interesse zugehört. Die Kerze in der Laterne brannte nicht lange - aber bei DEN Orkanböen was es bei allen Kindern der Fall...
Ich konnte leider nichts davon sehen... Aus dem Konferenzraum sah ich nur ein Fenster in der Dunkelheit, hinter dem sich mein Kind eventuell nach dem Umzug aufwärmt.
Als ich sie abholte, räumte sie ihr Abendbrot-Geschirr ab und berichtete mir im Auto vom Wind und von Ästen, die von oben fielen. Das stimmte.
Ich bin gespannt, was und wieviel vom Begriff "St. Martin" im kleinen Kopf geblieben ist.
Dienstag, 9. November 2010
Leistungsnachweis
Wir haben zu Hause viel geübt. Wir haben Fischer-Gedichte gelernt und auf der Sofalehne ab- und aufsteigen geübt (Ihr wisst schon - Arme hoch, das Bein anwinkeln, hoch ziehen...). Wir haben immer wieder erzählt, was alles gemacht wird und wie der Unterricht verläuft.
Die ersten Minuten bereits haben mir eine kleine Hoffnung gegeben, dass es mit Johanna gut klappen wird. Sie hat sich eine Bürste genommen und brav beim Striegeln mitgemacht.
Johanna hat sich gemeldet (!!!), das Futter zu holen, und trug die Schüssel stolz und voller Bereitschaft zur Futterstelle.
Was haben wir gelernt? Die Latte schön hoch aufzuhängen... auch wenn die ersten Erfahrungen nur enttäuschend sind...
Dienstag, 26. Oktober 2010
Kein Kindergarten, dafür aber das Reiten!
Seit zwei Tagen wissen wir, dass sie an einer Kinderreitgruppe teilnehmen darf, und haben den Termin für Dienstag zugesagt...
Das Wetter ist nicht gut, aber... ah, egal, wir gehen!
So. Johanna ist nicht die jüngste, aber die kleinste unter 6 Kindern, das Alter der Gruppe ist von 3,5 bis fast 7.
Johanna war überfordert. Sie konnte weder sprachlich noch körperlich mithalten.
Der Reitunterricht verlief nach einem klaren Plan, der den älteren Kindern bereits bekannt war und bei dem ein anderes neues, auch junges Kind, schnell "einsteigen" konnte - nur Johanna nicht.
Ein Islandpony mit dem Namen Zöpa ist im Einsatz. Die Kinder steigen Reihe nach in den Sattel, sie bekommen ein wenig Hilfe, müssen sich aber kräftig hoch ziehen... bei Johanna "sitzen" solche Bewegungen noch gar nicht, da dies ja nie geübt wurde... "Arme hoch, das Bein anwinkeln, festhalten hoch ziehen, zack!" ......jooooo.....
Dann rezitieren die Kinder ein kleines Gedicht, einen Dialog zwischen dem reitenden Kind, dem "Fischer", und den anderen Kindern "am Ufer"
- Fischer, Fischer, wie tief ist das Wasser?
- Fürf Meter!
- Und wie kommt man darüber?
- Wie ein Hund/Pinguin/ Elefant etc .-
die Kinder "am Ufer" bewegen sich im kleinen Kreis wie die genannten Tiere... auch das war für Johanna noch zu schwer...
Irgendwann war Johanna an der Reihe, auf das Pferd zu steigen. Es ging NICHT. Sie wollte nicht. Fünf Kinder schauten mir zu, wie ich versucht habe, Johanna auf das Pferd zu bekommen... Das hat der ganze Wald gehört.
"Aber wenn sie nicht will, warum bringst Du sie hierher?"- fragte eine super weise 6-Jährige...
Ja, warum...
Dass ich Johanna schon einige Male zu ihrem eigenen Glück "helfen" musste, wissen die Kinder nicht. Aber wer will schon als eine gewalttätige Erwachsenen auftreten... ich war alles andere als positiv gestimmt...
Ein einziges Bild konnte ich knipsen - es waren wenige Sekunden, in denen ich dachte, dass sie sich doch beruhigt... Nein. Sie sagte immer "nach Hause!".
Ein Mädchen hat Johanna eingeladen, das Futter zu holen. Hier sollen die Kinder das Pferd nicht aus der Hand füttern - wegen der kleinen Finger. :-) Eine Schüssel trockenes Futter hat Johanna mitgetragen, mitgebrachte Möhren wurden beigelegt - das war dann das Belohnungsessen. Für Johanna wurde aber eine Ausnahme gemacht: heute, zum Einstieg, durfte sie ein Pferdeplätzchen aus der Hand geben.
In der Zwischenzeit fragte mich eine Mutter, "wie fit Johanna ist". Ich bezeichnete Johanna als "ziemlich fit". Was jede von uns darunter versteht und verstand, wird wohl nie geklärt sein.
Wir, Johanna und ich, gingen nach Hause mit gemischten Gedanken... Meiner war: wird sie je mithalten können?
Sonntag, 24. Oktober 2010
Kindergeburtstag!
Pläne und Zeit überschneiden sich. Papa und Maria sind bereits unterwegs. Sie warten 200 km von Osnabrück auf mich, um mit mir zusammen am Abend etwas vor vielen Jahren Geplantes zu unternehmen... Die Karten sind dafür bereits gekauft und keiner will sie zurück geben... und am gleichen Tag ist auch ein Kindergeburtstag, zu dem Johanna eine herzliche Einladung bekam!
Der Geburtstag findet in einem Indoorspielplatz statt, ein Erwachsener soll bei Johanna bleiben, da die Mutter des Geburtstagskindes drei eigene Kinder beaufsichtigen muss und natürlich viel Unterstützung bei den anderen kleinen Gästen braucht. Nur... ich will ja dann schon im Zug sitzen... was tun?
Zum Glück fanden wir einen lieben Menschen, der bereit war, mit Johanna die Stunden des Kindergeburtstags zu verbringen, die Lautstärke einer Indoor-Halle zu ertragen und mit Johanna zu toben. Johanna war ganz aufgeregt, sie wollte schon ab Mittag "zum Buuuur-tag" gehen und das Lied ein paar Tausend Mal geübt.