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Dienstag, 14. Juli 2009

Die letzten Fukuoka - Eindrücke

Zusammengestellt am 19.09.09
Gehört zum Datum Montag, der 13.07.09
Tag 8 unserer Reise...

Als wir am ersten Morgen in diesem Hotel frühstückten, sagte Josef, dass er sich über uns wunderte: wir haben die Suche nach einem Hotel im Regen und die Unsicherheit mit der Übernachtung sehr gelassen genommen. Ich habe dazu nur geschwiegen und wollte Maria meine Unsicherheit gar nicht vermitteln. Aber am Anfang unserer Reise ist es immer so gewesen, dass man eher ungern das Hotel morgens verließ, wenn ein noch "ungesicherter" Abend bevorstand... Es hat sich danach etwas relativiert...

Nun packe ich unseren Rucksack, die Mädchen sitzen im kleinen Zimmer, in dem wir zudritt heute übernachteten, wir warten auf Josef, der aus dem Cabin-Hotel kommen soll (einen Beitrag darüber müsste er selber schreiben, aber wie ich gesehen habe, hat er nur heimlich und nur sehr sparsam fotografiert... der Beitrag müsste eigentlich vor diesem aktuellen Beitrag erscheinen).

Eine Sendung für Kinder im Fersehen überbrückt die Wartezeit. Sie vermittelt den kleinsten Zuschauern ein gutes Raumgefühl mit verschiedenen geometrischen Körpern. Johanna hat heute ihren 32. Monatsgeburtstag, aber so wie immer - messen-wiegen-eintragen-etc. geht nicht. Sie bekommt ein Küsschen -und fertig. Sie muss in den nächsten Monaten so viel lernen... in immer wechselnder Umgebung klar kommen, in verschiedenen Betten schlafen und zu verschiedenen Zeiten, verschiedene Sachen essen, Klimaanlagen ertragen, aber auch sicherer laufen, zuhören, gehorchen, in "fremden" Restaurants ordentlich essen, alle möglichen Toilettenkonstruktionen akzeptieren...Josef war da. Er war ein wenig enttäuscht, geschlafen hat er wenig und unbequem, sprechen wollte mit ihm dort keiner, alle machten einen Bogen um den großen Ausländer und einige Fettnäpfchen hat er auch "getroffen"... na ja. Wir verabschieden uns vom Hotel und innerlich von der Stadt: wir haben uns vorgenommen, zum Hafen zu Fuß zu laufen und noch etwas von der Stadt zu sehen.

Erster Blick direkt neben dem Hotel: die Kleinsten werden vom Kindergartenbus abgeholt. (Vergrösserung des Bildes per Klick lohnt sich). Ein Kind hat etwas vergessen. Es holt das Vergessene, alle anderen sitzen brav im Bus, keiner macht Quatsch - und leise ist es sowieso...
Auf unserem Weg, der eine alte Straße vom Hafen zur Stadt war und ist, Hakata-Straße, befinden sich zwei buddhistische Tempel, an einen davon ist sogar ein kleines Kloster angeschlossen.
Man braucht hier keine besonderen Erklärungen - die Symbole für Lotusblüte oder Lotusblütenknospe sind sehr deutlich dargestellt, wir sind froh, dass wir selber einiges erkennen können.

Die Stadt hat den Tempel in einen "Schwitzkasten" genommen, alles ist eng, man muss viel Gelassenheit mitbringen, um sich hier im Geiste ausruhen zu können...
Es wurde gerade eine Meditation vorbereitet, Josef traute sich etwas näher...
Ich habe mich im kleinen Hof umgeschaut. Der Gärtner war beschäftigt, die neuen ungehorsamen Äste mit Drähten zu "erziehen". Das tut er hier seit Jahren...
Das hier sah aus wie ein solcher Bereich in den katholischen Kirchen: ein alter Friedhof für Mönche, nahm ich an...
In einem Gartenwinkel habe ich zwei Steine liegen lassen -
für Mia und für Mirjam...
...und in einem anderen Winkel, an einer Vogeltränke unter den Büschen liegen auch zwei...

Kurz vom Hafen sahen wir eine zweite aus fünf Figuren, die im Moment in der Stadt "gefeiert" werden - die Fans können sie tagsüber in Ruhe betrachten und bewundern...
Endlich sind wir im Hafen. Es ist etwas heißer, als uns lieb wäre, Johanna trägt keine Mütze... Vorn, hinter dem Monument, liegt sie schon, unsere Fähre - ein Riesenschiff. Josef ist mit unserem Rucksack viel mobiler, als wir Frauen im Schlepptau mit unseren kleinen Rucksäcken...
Nun ist es wirklich soweit. Wir müssen Japan verlassen, ein schönes und spannendes Land, von dem wir leider so wenig - oder nicht viel - mitbekommen konnten... Hoffentlich ist unsere Reservierung angenommen worden und hoffentlich bekommen wir die Plätze auf der Fähre ...

Unsere Pässe trage ich, wie von Anfang an von uns allen vereinbart wurde, in meiner Gürteltasche (heisst sie auch Bauchtasche?), ich bin also für die Papiere verantwortlich. Später haben wir immer unseren Guids gesagt, wo sie schnell nach Pässen suchen sollen, wenn uns etwas passiert.

Tolle Dinge werden wir an diesem achten Reisetag noch erleben. Der Bericht folgt.

Montag, 13. Juli 2009

Das Cabin-Hotel

Josef schreibt: Mein ganz spezielles Highlight in Japan, die Übernachtung vom 12. zum 13.07.09, in unserer letzten Nacht in Fukuoka und in Japan...

Der Bericht ist am 22.11.09 zusammengestellt worden.

Vor unserer Reise haben wir gehört, dass man in Japan aufgrund der horrenden Wohnraumpreise in den Innenstädten, speziell in Tokyo, sogenannte Cabin-Hotels eingerichtet hat. Hier seien auch für Bauarbeiter die Preise noch erschwinglich. Das Besondere hierbei ist, dass eine solche "Cabin" eben kein angemieteter Raum, sondern lediglich eine Schlafbox ist, das war´s. Ich habe mittlerweile gehört, dass es diese Cabins auch schon in Deutschland geben soll, aber egal, ich wollte dieses spezielle Erlebnis machen, meine Familie gab mir hierfür 1/2 Tag frei ... und es war alles ganz anders als erwartet:
Um ca. 11:00 Uhr sind wir zu einem im Internet recherchierten Cabin-Hotel gegangen. In der Nähe dieses Hotels trafen wir auf diese Gruppe junger Männer.
Auch wenn der Anblick etwas gewöhnungsbedürftig war, es wurde offenbar spannender und fremdlänsicher, je näher wir an das Hotel herankamen. Nur mit Hilfe einheimischer Unterstützung konnten wir den tatsächlichen Eingang im 1. OG eines grossen Hauses finden. Da das Hotel nur für Männer bestimmt ist, bin ich alleine zur Rezeption gegangen. Auf den letzten Metern wurde mir folgender Hinweis gegeben:


Das Foto kommt noch! :-)


Offenbar gibt es zahlreiche japanische Gruppen, die über Tatoos ihre Gewaltbereitschaft signalisieren und daher solche Hotels nicht betreten dürfen, ...die Spannung stieg.

Endlich erreichte ich die Rezeption. Diese war klar vom eigentlichen Hotel abgegrenzt. Hier durfte man mit Schuhen laufen (alle Gäste hatten sich noch vor dem Eintritt ins eigentliche Hotel der Schuhe zu entledigen, andere Hotelgäste hatten nur kleine Habseligkeiten mit (gar nicht zu denken an Koffer oder umfängliches Eigentum. Unruhig machte mich aber vor allem der Blick in den Gang. Dort standen eng Mann an Mann mit dieser "luftigen" traditionellen Kleidung. Das war mir unangenehm und ich spürte, dass ich wohl Platznot abends haben werde. Ein näheres Beobachten dieses Treibens vermittelte mir den Eindruck, dass die älteren Menschen Jüngere in das Anlegen der Kleidung und das korrekte Verhalten einwiesen.

Ok, ich hatte mit der Auswahl dieses Hotels in ein Wespennest der japanischen Kultur gestochen. Ich habe bezahlt (sogar etwas höheren Preis als für Frau und Kinder im anderen Hotel ?? ...komisch, das sollte doch billiger sein). Nun gut, erst mal weg hier. Es reicht für´s Erste.

Während des Tages haben wir verstanden, dass gerade in diesen Tagen ein besonderes Fest in Fukuoka stattfand. Im Laufes des Festes tragen viele halb-bekleidete Männer ein riesengrosses Schaubild oder Statue. Diese wird im Laufschritt gegen andere Gruppen durch die Strassen getragen und während des Laufens werden die Männer mit Reiskörnern und Wasser begossen. Mann an Mann, so eng und teils nackig, dass ist eine ganz andere Welt, so etwas kennen wir nicht in Europa. Vor dem Bahnhof war dann das Schaubild ausgestellt, damit man es vor dem Einsatz bewundern konnte.




Nun ist es 20:00 Uhr und der Abschied von Kind und Kegel steht an. Nach dem Abendessen nahm ich meinen Kulturbeutel und eine Wäschegarnitur zum Wechseln in einer Plastiktüte mit und verabschiedete mich. Die ersten Minuten waren herrlich: endlich kein Hin- und Her, kein Gezerre, keine Planung für Andere oder Organisation von irgendeiner Bedürfnisbefriedigung (essen/trinken/aa/müde/anstrengend/langweilig usw.). Ich merkte, dass mich die ersten Tage des Urlaubs auch geschafft hatten. Dieses permanente Zusammensein, so lieb und wohlwollend auch jeder in unsere Familie ist (bestimmt aussergewöhnlich!), ... wenn man sich kaum entziehen kann, ist auch das eine Belastung.

Eine Stunde bin ich auf dem Weg ins Hotel in den Elektronik-Geschäften gestreunt. Der Blick war weniger auf Einzelprodukte gerichtet, ich wollte nur den Gesamteindruck. Viel Buntes, überall Blinken, von allen Seiten technische Töne, es war nie richtig hell und Massen über Massen an Produktvarianten lagen in den gestuften Regalen. Handys und Kleincomputer in jeder Facette, diverse Zwischenstufen zw. Handy und Notebook (bei uns (noch) nicht üblich), der Spieltrieb ist in Japan viel größer und das technische Vermögen in der Nutzung offenbar ebenfalls. Während man bei uns schon lange technisch zurückschraubt und weniger Knöpfe und Nutzungsvarianten anbietet, scheinen dort die Produkte immer noch durch Multifunktinalität zu prinzen. Ich meine aber auch, noch eine Art technische Hörigkeit gesehen zu haben, die bei uns schon abgelegt ist. Nach eier Stunde Genuß stellte ich mich aber dann meinem eigentlichen Ziel. Auf ging es zu meinem Hotel.

Beim Empfang gab ich Portemonai und Handy ab, so dass ich aller Wertsachen entledigt war. Nun auch noch die Schuhe. Wir ziehen die Schuhe nie Zuhause aus und man kann sich dann vielleicht vorstellen, wie ich mich fühlte: jetzt in dieser engen Gasse bar an Wertsachen, zweiter Kleidung, in Erwartung großer körperlichen Nähe, viel Unwissen über das zu Erwartende.

Um die erste Ecke gebogen, tauchten mehrere Gänge auf mit unzähligen Spinds. Aha, offenbar kam die nächste Stufe des Kleidungsverlustes. Ich trat in einen Gang und entdeckte die Kameras an jeder Seite. An der Rezeption waren auch Frauen beschäftigt, dort standen auch die Monitore. Hier gab es aber keine Möglichkeit, sich den Kameras zu entziehen, ein europäisches NoGo. Im Spind lag eine dünne Standard-Unterhose, ein Ganggenosse zog diese an, so dass ich offenbar alles richtig interpretiert hatte. Im bescheidenen Einheitslook ausgestattet trat ich aus dem Spindbereich zur nächsten Tür, dahinter eine Fahrstuhltür, rechts und links Zugänge, der ganze Raum 1,5 x 1,5 m. Neben dem Fahrstuhl ein Wäschekorb für die letzte Unterhose, mehr konnte man nicht verlieren. Beruhigend, dass in den Regalen die gleichen Hosen und auch zusätzlich Kimonos akkurat gewaschen und zum Wechseln lagen, vermutlich für eine Zeit "danach". Während meiner Orientierungszeit kamen aus den vier Türen einige Japaner, konnten kaum an mir vorbei, ich musste hier weg. Raus aus den Klamotten und schnell hinter die linke Tür: ... ein Badbereich mit mehreren Becken tauchte auf. Nur weg hier, rein in den ersten besten Pool, da war gerade niemand drin. Flüchtig entdeckte ich den abschätzigen Blick eines Japaners, warum nur? Die erste Entspannung gab es dann in diesem ersten runden Poolbecken, jetzt konnte ich in Ruhe beobachten und war nicht getrieben. Kein Japaner kam in den Pool, solange ich drin war. Nach ungefähr 2 Minuten dämmerte mir, dass es doch eigentlich eine Dusche geben müsse, dass der Blick doch nur aufgrund von Regelverstößen in Punkto Reinlichkeit begründet sein könnte und ich begann, die dunkle Räumlichkeit mit den Augen langsam zu durchdringen. Ich verstand, dass ich links den Dusch- oder Reinigungsbereich übersehen hatte, als ich mich schnell ins erste Becken flüchtete. Das mußte nachgeholt werden. Ich trat aus, ging in diesen Bereich und fand nur zahlreiche Schemel zur Reinigung vor, keine Duschen. Mit Holzkübel wurde der Körper im Sitzen übergossen, hört sich unbequem an, war aber echt angenehm, man kann Wasser sparen und auch im Alter ist die Reinigung aller Körperteile viel leichter im Sitzen. Der Tunnelblick legte sich, meine Aufnahmefähigkeit wurde breiter. Neben dem Spiegel gab es Wegwerf-Zahnbürsten, die schon mit Reinigungspaste präpariert waren. Einfach aufreissen, nutzen und wegwerfen. Es gab auch eine Druckstrahlbürste zur Körpermassage. Alles einfach und angenehm in der Nutzung. Körpertücher überall in Regalen, es roch frisch, trotz der Enge und hohen Nutzungsfrequenz kam nirgends Ekel oder ein Unreinlichkeitsgefühl auf. Alles lag griffbereit, es gab kein Suchen, die Funktionalitäten waren klar verstehbar, schlicht und einfach in der Verwendung. Wasser floss gut und schnell ab, auch das ist ja wichtig, wenn man nicht einmal (wie bei uns) eine Duschkabine oder Fläche für sich allein während der Nutzung hat. Nach der Reinigung ging es zurück in den nächsten Pool und ich konnte anhand der Zeichen verstehen, dass in der Poollandschaft diverse Becken mit unterschiedlichen Temperaturen beheizt oder auch gekühlt waren (von 40 Grad bis 10 Grad). Man konnte richtig kneipen. Angeschlossen war auch eine größere Sauna, mit Großbildleinwand zum Zeitvertreib mit schönem künstlichen Landschaftsblick ins "Grüne". Nach Abschluß der Reinigungsprozedure kam ich in den Wechselraum zurück und legte mir den Kimono usw. an. Jetzt ging es an das Entdecken der restlichen Räumlichkeiten. Erst einmal wollte ich meine Cabin finden, damit ich schon mal weiss, wie eng es eigentlich werden wird. Ich nahm den Fahrstuhl, fuhr zwei Etagen herunter (es war offebar im Keller oder noch tiefer :-), aber das war eh egal, denn Fenster gab es nirgends. Ich kam vorbei an den Massageräumen, dann an einer Art Bibliothek

und endlich kamen die Gänge mit den Cabins. Ich kam mir vor wie im alten Rom, jeweils zwei oder drei Boxen übereinander in einem Gang mit ca. 20 Boxen nebeneinader, also 40 x 2 oder 3 Boxen je Gang. Vor jeder Box eine kleine Gardine zum Zuziehen. Das Bett war gemacht, ein Fernseher war in die Plastikhülle quasi eingegossen, die Steuereinheiten griffberiet, diverse Lichtschaltungen, Radio, guter Luftabzug. Was will man mehr. Alles, was man brauchen könnte, scheint vorhanden. Ich löste mich, um mich über den Rest des Hotels zu informieren.

In allen Einzelheiten möchte ich nicht weiterberichten, das wird sicher zu lang. Es gab grosse Massageräume für eine Ganzkörpermasage, für die spezielle Fußmassage, weitere Becken, ein Reaturant mit Buffett usw.

Die Bibliothek hat mich dann noch interessiert. Ich war gespannt, was in den fein sortierten Büchern wohl zu lesen ist: Kein Englisch ...aber auch kein japanisch ! Es waren japanische Comics mit Peng und Knall, die angeblich in Südostasien und darüber hinaus berühmt sind. Da es sich um ein reines Männerdomizil handelte, sollte man erwarten, dass spezielle Hefte und Fernsehsender dort angeboten werden, das war aber nicht der Fall (mit einer Ausnahme, ein Fernsehsender, der eher Gewaltszenarien aus diesem Bereich vorstellte, schade). Ansonsten war mein allgemeiner Eindruck, dass dieses Hotel glänzte durch Schlichtheit, Sachlichkeit, männerorientierte Konsummöglichkeit in extrem platzsprender Umsetzung. Von den Kultürlichkeiten des Vormittags war abends nichts mehr zu sehen.

Es bleibt auch zu erwähnen, dass die Boxen ca. 1,90 m lang waren, also etwas knapp für Westeuropäer, beim Drehen im Bett schlug man nachts gegen die Plastikwand (hoffentlich habe ich nicht Andere geweckt).

So sah das Frühstücksbuffet aus:

Irina schreibt: definitiv war er für die Box zu lang, aber auch wenn Josef jemanden geweckt hätte, hätte er das nicht gesagt bekommen... Schon deshalb, weil man ihn grundsätzlich gemieden hat, wie uns alle in der ganzen Zeit... Was das Buffet angeht, hat Josef leider es nicht so richtig geniessen können, da er keinen Fisch und Meeresfrüchte gern mag... Schade, dass ich dort nicht war...

Im Restaurant...

wurde ich echt "bestraft", dass ich meine Kamera nur jeden 2. Tag aufgeladen habe. Plötzlich war die Batterie leer. So schade! Josef knipste ein paar Bilder mit seinem Handy, aber auch damit bin ich zufrieden.

Dieser bericht ist am 14.09.09 zusammengestellt worden.
Er gehört zum Datum 12.07.09, Teil 4.


Hinter dem schwarzen Vorhang an der Eingangstür sahen wir einen alten, ziemlich mitgenommenen Raum mit einer Theke in der Mitte. Englisch konnte hier keiner. Aber unsere Geste für "essen" haben sie verstanden. Und wir wurden gebeten, mitzukommen... in den hinteren Raum. Der Raum war eigentlich klein, weniger als 20 qm, mit 6 niedrigen Tischen aus schönem Massivholz. Der Boden wurde mit Tatami, Strohmatten, belegt. Statt Stühle gab es flache und harte Sitzkissen. Die Tische wurden durch leichte wackelige Strohraumteiler getrennt. Die Schuhe mussten wir ausziehen und in einem kleinen Regal stehen lassen.

Unsere "Raumnachbarn" war eine japanische Familie, die wir im Hotel gesehen haben. Der Mann hat bereits einige Schnapsgläschen genommen und schaute nicht mehr so reserviert zu uns. Es ist nicht einfach, so zu sitzen, wie die Frau dort auf dem Bild sitzt. Der Mann saß etwas freier, aber nicht so "stilvoll". Die Frau reichte ihm einige Stücke in den Mund, half ihm, die Hände mit einem feuchten Tuch abzuputzen, schenkte sein Glas ein.
Wir haben es auch versucht, so zu sitzen, aber nach wenigen Minuten aufgegeben, Josef als erster...Die nette Kellnerin kannte ein paar Wörter auf Englisch: fish, salmon, meat. Das Menü bestand aus Hundereten wunderschönen Buchstaben... die wir leider nicht mal groß unterscheiden konnten. Aber "mit Händen und Füssen" ging es wie immer - und klappte. Maria und ich bestellten "fish". "Salmon?" - Yes, salmon. Josef wollte Fleisch. Was denn genau? Pork! - nein, sie versteht nicht. Eine Geste für "Schwein", die auch Johanna zeigen kann, (danke, Corina!) - hat wunderbar geholfen. Alle lachten, sogar die Nachbarn. Wie wollen Sie Ihren Fisch? Wie wollen sie ihr Schweinefleisch? - das wollte die Kellnerin wohl fragen. Ich habe eine Pfanne und ein Feuer gemalt. OK, macht sie. "Reis" verstand die Kellnerin auch nicht. Ich habe kleine Reiskörner gemalt, die in einen Topf kommen, in dem Wasser kocht. OK, macht sie.
Nun sind wir gespannt. Johanna ist müde, aber hält sich noch wacker...
Unser Essen kommt!!!!!!!
Maria ist glücklich!
Viele kleine Schälchen, in welchen verschiedene kleine Vorspeisen und Soßen sind, passen alle gut zusammen und machen das hübsche Aussehen von Gerichten einfach perfekt!

Johanna hat auch Hunger, sie bekommt ein kleines Schälchen für den Reis und einen Löffel. Wir bekommen auch das europäische Besteck! Es sieht ein wenig alt aus, aber man kann damit essen. Wir versuchen aber doch mit Stäbchen - wir haben lange dafür geübt.
Man sieht, dass der Tisch wirklich niedrig ist - für Johanna passt er aber super gut!
Sie verputzte ihr Schälchen mit Reis und Fisch im Nu - alles war so lecker! Und das Sitzen in ihrer Lieblingsposition macht ihr nicht so viele Probleme wie uns... Die Frau am Nachbartisch, die schon den ganzen Abend so saß, stand sehr elegant auf - wir wunderten uns. Da steckten viele Jahre Übung drin... (wir haben uns vor der Reise den Film "Die Geischa" angeschaut. Viele kleine Details wurden für uns erst hier verständlich).
Im Restaurant war eine kleine Toilette, die ich aufsuchen musste, da Johanna sich meldete... Für diesen Besuch gab es extra Pantoffeln. Im Waschbecken von 20 cm Durchmesser konnte ich Johannas Hände gerade noch waschen, für den Rest hatte ich zu wenig Platz... ich fühlte mich wie ein Riese im kleinen Kämmerchen...

Als wir bezahlt haben und gehen wollten, standen unsere Schuhe für uns bereit, mit den Spitzen zur Tür.

Nun war der Abend leider zu Ende. Der Papa geht woanders hin, er schläft in einer Kapsel von ca. 70 x 70 x 180 cm, wir alle drei Frauen werden heute zusammen in einem Bett schlafen. Erstaunlicherweise wird Papa für seine Übernachtung mehr bezahlen als wir.

Butterfahrt...

Zusammengestellt am 13.09.09
Gehört zum datum 12.07.09, Teil 3.


Nachdem man uns im Bus die ganzen Delikatessen dieser Gegend gezeigt hat, stiegen wir aus. Es wurde angekündigt, aber auf japanisch - alle wussten Bescheid, nur wir nicht. Wir wollten eigentlich nichts kaufen - unsere Reise fing gerade erst an, wir wollten nichts zwei Monate lang mitschleppen... und Platz hatten wir auch nicht... Hier ist nur eine Zeitverschwendung...
Als ich aber diese Halle betrat, wusste ich, dass ich keinesfalls Zeit verschwende.
In der japanischen Küche müssen alle Gerichte wie ein Kunstwerk aussehen.

Hier sahen sie so aus - ganz einfache Dinge zum Teil, aber sehr attraktiv zubereitet...
Die Dreiecke aus Reis mit Körnern und Gewürzen im Seetang haben wir bereits probiert...
...für diese eingelegten Rogen fand ich in meiner Familie keinen Mit-Ess-Parnter...
Jedes Plätzchen war auf genaueste geprüft, bevor es in den Karton durfte...
Solche Fruchtgeleekapseln haben wir später probiert, ich habe bedauert, dass ich keine mitgenommen habe.
Die Biskuitrollen mit Erdbeerfüllung waren kleine Kunstwerke...
Das sind keine Bürsten, das sind Nudeln, sie bleiben weich und elastisch...

Im Glas sieht man die Seealgen, Gelatine daraus nutzt man für gelierte Fruchtaufstriche...
Während ich eine Runde im Verkaufsbereich gemacht habe saß Johanna am Eingang neben einem Blumenbeet und spielte mit Steinen.
Halt, Johanna, was hast du denn da? Gib´ bitte schnell her!
Mein Kind gibt mir alles brav in die Hand...
Ein Bonbon! Wo hast du es her?
Eine junge Frau, die an einem näheren Stand tätig war, kam auf mich zu. Sie hat Johanna das Bonbon gegeben, "because the child is so cute". Sofort hatte Johanna noch weitere Bonbons in der Hand. Die junge Frau sagte, dass sie aus Korea stammt und hier mit ihrem japanischen Ehemann ein Geschäft hat. Sie haben leider noch keine Kinder, aber "sie - wie alle Menschen in Korea - mag Kinder sehr".
Johanna saß im Bus und genoss ihre Süssigkeiten. Ich mochte ihr sie nicht wegnehmen, obwohl sie die Bonbons noch gar nicht richtig lutschen konnte. Bei unseren älteren Kindern konnte ich die Bonbonphase hinauszögern. Bei Johanna ist alles anders. :-)


Wir waren zurück.
Heute ist unser letzter Abend hier in Fukuoka und in Japan.
Morgen fahren wir nach Korea.
Heute Nacht übernachte ich mit den Mädchen in einem Zimmer - wieder mal Ausnahme, die uns das Hotel ermöglicht, - und der Papa seilt sich ab. Er übernachtet heute im Cabin-Hotel. Hat jemand schon davon gehört? Hier in Deutschland stellt man sich diese Hotels wie Leichenhallen vor und denkt, sie werden aus Platzmangelgründen gebaut. So dachte auch Josef vor der Reise uns wollte einmal eine solche Erfahrung bekommen. Ich wollte sie nicht bekommen, aber das hatte keine Bedeutung: die Cabin- Hotels sind nur für Männer gedacht. Wir waren sehr gespannt und haben uns einige Male am Tag darüber unterhalten, was er dort erleben wird.

Erst aber wird Josef uns in unser Hotel begleiten, wir essen etwas zusammen, dann geht er...
Schon wieder werden wir von vielen Erscheinungen der unterschiedlichen Gesichter Japans überrascht. Ein Wandermönch sammelt würdigst Geld für sein Kloster. Zwei Mädchen, die sich für den Abend etwas länger mit ihrem Aussehen beschäftigten, fangen kurze, aber klar unwohlwollende Blicke auf sich.
Eine Gruppe junge Männer, die... hm...
hm... sehr interessant aussehen...
wollen an diesm Festival teilnehmen.

Das Ganze haben wir uns ein wenig erklären lassen. Fünf Gruppen Männer, die z.T. von weit her einreisen, rennen im Morgengrauen durch die Strassen und tragen im Laufen die Türme mit verschiedenen Symbolen ihrer Mannschaften (einen solchen Turm haben wir in der Stadt gesehen). Die Männer werden mit Wasser übergossen und mit Reis beworfen, sie müssen es aber schaffen, einen Teamgeist beizubehalten und "Schulter zur Schulter" den Turm schnell zum Ziel zu bringen. Es gibt Träger/Kämpfer (unten) und Führer(oben):
Das Fest heisst Gion-yamakasa und gehört zu den Feierlichkeiten zu Ehren des Nationalgeistes.
Als Josef die Übernachtung im Cabin-Hotel reservierte, hat er viele Männer gesehen, die zu diesem Fest in der Stadt eingetroffen waren. Er dachte schon, er bekommt im Hotel zu viel action mit...

Unsere erste Woche "24 Stunden zusammen", Woche unterwegs, Woche "sich-den-Umständen-ausgeliefert-fühlen" ist vorbei.
Maria bekommt von Mama eine blaue Kette zur Erinnerung. Hier ist unsere liebe 11-jährige, die schon in wenigen Tagen bei den Menschen in Korea und anderswo plötzlich das Gefühl wecken wird, sie sei eine Erwachsene im heiratsfähigen Alter... Ohje... so weit sind wir noch gar nicht...

Aber erstmal... gehen wir zusammen etwas essen.
Alle Restaurants hier sind von aussen nicht ansehbar. Es hängt immer ein schwarzer dichter Vorhang vor der Tür, sodass man einfach "hineinspringen" muss und dann erst entscheiden muss, ob man dort etwas findet oder gar bleiben darf. Es sei durchaus möglich, dass der Wirt den Ausländern das Essen verweigert, aber nur "aus Höflichkeit, da er befürchtet, wegen der Sprachprobleme dem Gast nicht gerecht sein zu können". So der Reiseführer. Jo. Hoffentlich bekommen wir etwas noch heute abend... Natürlich wollen wir japanisch essen, aber wenn nicht, finden wir auch McDo----, wie immer.
(ich erzähle später weiter)