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Freitag, 30. November 2007

Safran macht - nicht nur - den Kuchen...

Dieser Bericht gehört eigentlich zum Freitag, dem 26.10.2007. Da ich ihn jetzt etwas geändert habe, lasse ich das heutige Datum...

Der Urlaub ist längst vorbei, die schönsten Erinnerungen dieses Jahres bleiben. An den Tag in San Pio delle Camere haben wir uns schon so oft erinnert!

Dabei haben wir nie gedacht, dass wir dies doch erleben könnten!
Im letzten Winter sah ich einen Film, in dem es von einem italienischen Safran-Bauern erzählt wurde. Immer wieder erinnerte ich mich an den kleinen Ort, den ich da gesehen habe.

Das Gewürz Safran habe ich schon öfter gekauft und verwendet. Wie genau und wo es wächst und wie gewonnen wird, habe ich bis dahin nicht gewusst. Bei Google bekommt man immer Hilfe. Das Besondere an den Safrankrokussen ist deren Chromosomenfehler, so etwas wie Down Syndrom… Tja…
Als wir unsere Herbstferien in Italien geplant haben, kam ich auf die Idee, einen Tag in San Pio zu verbringen. Es wurde ja gesagt, dass die Ernte Ende Oktober sein soll. Vielleicht können wir das sehen?
Unser Navigator war erbarmungslos: fast zwei Stunden Fahrt von unserem Hotel in Rom. OK, nehmen wir in Kauf. In diesem Moment haben wir nicht gewusst, dass wir eine Stunde dazu addieren sollten, da wir erst aus Rom herausfahren mussten. Zwischen den folgenden zwei Bildern liegen genau drei Stunden: Verkehrschaos in Rom

und ein kleines verschlafenes Städtchen in den Bergen, das ganz verlassen aussah… Eine alte Festung und eine alte Kirche und ein Gemeindeparkplatz – genau für ein Auto… Wir dachten schon, wie sein hier falsch… Keine lila Felder weit und breit… keine Krokusse…

Und plötzlich standen wir mitten in einem Krokusfeld – wir mussten nur genauer schauen! Genau wie im Film!

Die Blüten hat man ja schon heute Morgen geerntet! Man sieht nur die Knospen, die sich erst morgen öffnen!


Wir haben im Dorf und im kleinen Cafe nach Pio gefragt – so heißt der Safran-Bauer. Und plötzlich stand er neben uns, Pio Feneziani, wie im Film. Und da die Blüten von heute Morgen dringend bearbeitet werden mussten, bekamen wir eine Einladung, bei ihm zu Hause zu helfen, die Safranfäden auszulesen!

In 10 Minuten, nach der Fahrt durch engste Sträßchen, saßen wir in seinem Haus, hoch auf dem Berg, an einem langen Tisch…


Die ganze Familie von Pio (er steht auf dem Foto) und einige Nachbarn müssen die Ernte des Tages noch heute verarbeiten.

Die 3 Safranfäden, die in jeder Blüte stecken, muss man vorsichtig herausnehmen…


Danach werden sie im Ofen ein wenig getrocknet. Langsam wird ein großer Korb voll! Den Geruch kann man leider nicht fotografieren!

Ich habe nicht gefragt, was das Ganze wiegt, der Korb war ziemlich schwer - die Fäden aber nicht GANZ trocken. Sonst für 1 kg trockene Fäden braucht man bis 200 000 Blüten... Frohes Schaffen!
Meine Hände waren schmutzig, für Johanna hatten wir an diesem Tag nicht viel zu essen (keine Gläschen waren zu bekommen), und so musste sie sich selber helfen...

Die Arbeit war sehr einfach. Mit den Menschen, die am Tisch saßen, konnten wir nicht sprechen. Wir sprachen kein Italienisch, sie aber - nur Italienisch… Beim Gläschen von Safranlikör konnte man sich anlächeln und … weiter arbeiten…


Am Ende des Tages sollte in diesem Ofen eine RICHTIGE Steinofenpizza zubereitet werden und wir waren herzlich eingeladen.

Leider konnten wir diese Einladung nicht wahrnehmen – die drei Stunden Fahrt waren noch zu bewältigen…

Mit einem Tässchen Safran-Kaffee (Zafe`) (gibt es nur dort, in dem kleinen Restaurant „Nikola“) gestärkt, fuhren wir zurück nach Rom.

Werden wir diesen Ort wieder sehen?

… wer weiß, die Herbstferien gibt es bestimmt noch einmal!..

Samstag, 3. November 2007

Wieder da!

Wir sind wieder zu Hause.
Es ist kalt in Deutschland.
Wir haben keine Beule an dem italienischen Mietwagen bekommen, wir sind nicht krank geworden und wir haben keine Flüge verpasst.
Wir haben tolle Dinge gesehen und erlebt.
Wir haben sogar bei dem Safranauslesen geholfen.
Da ich nur sporadisch an den PC durfte, schlummern einige Berichte nur als Entwürfe im "Speicher". Mit Bildern versehen, werde ich Einiges zu uns und zu Johanna morgen hier platzieren.
Grüsse an alle, die an uns gedacht haben!

Donnerstag, 25. Oktober 2007

Turm in Pisa... Da waren wir wirklich drauf!

Der Tag, den wir für Pisa geplant haben, war schon am Morgen ziemlich trüb. Nichts zu machen, in Osnabrück sind wir dies längst gewohnt. Schade nur um den ersten Eindruck, den wir von dem Turm dann bekommen würden.
Während der Fahrt haben wir mehrmals die Möglichkeit gehabt, die riskanteste Fahrweise auf den Strassen zu erleben. ... Oh je, wir sind immerhin über 140.... haben hier die Autofahrer besondere Fähigkeiten?
Hier hat der Fahrer etwas abgebremst, als er sah, dass ich fotografiere...

Im Reiseführer haben wir gelesen, dass sich viele Touristen, vor allem die Teilnehmer von Blitz-Weltreisen maximum 3 Stunden für die Stadt einplanen. Ist das nicht zu wenig? Gibt es dort nicht so viel zu sehen?
"Panda" war klein, aber leider nicht im Taschenformat - sonst hätten wir es mit einem Parkplatz einfacher gehabt.
Da ist er, der Turm! Gelesen, gehört, im Fernseher gesehen - nichts, nichts kann sich mit diesem Blick vergleichen! Nur bitte mit Vorsicht geniessen: etwas schiefer wurde der Turm auf meinem Foto, da die Kleine eigentlich im Focus war. Hier sieht man es doch. Die erfahrenen Touristen wissen schon, welches Foto später besonders ungewöhnlich aussehen wird.

Wir wussten nicht genau, ob der Turm jederzeit zugänglich sein wird. Alle "Rettungsmaßnahmen" dauerten - haben wir nur gelesen. Doch, jede 30 Minuten darf eine begrenzte Gruppe den Turm betreten, allerdings nur unter Kontrolle auf allen Ebenen und mit einem kurzen Aufenthalt - alles limitiert. Stolze 15 € pro Person kostet die Eintrittskarte.

Erst war das Warten angesagt. Es passte genau, da die Kleine "gebracht" werden musste. Danach saßen wir am Fuße des Turms und ließen ihn auf uns wirken.
Unser Papa erinnerte sich an die Werbung seines Baumarktes - "das passiert, wenn man ohne uns baut!" - aber hier kommen die Baumängel der Stadtkasse nur zugute.

Was haben die Bauleiter in allen Jahrhunderten schon versucht, um den Turm in die aufrechte Position zu bringen! Eine Ebene mal tiefer gebaut, dann die Säulen von einer Seite schmaler und leichter gemacht - nichts hat geholfen. Geplant wurde eine Hohe von 100 m. Nein, es ging einfach nicht. Der Turm wurde auf einem mit Sand zugeschütteten Graben angefangen - das konnte leider nur schief gehen... Mit einer unglaublichen Menge Blei an dem Fundament erhofft man eine langfristige Stabilisierung.

Und jetzt durften wir DIESE Stufen betreten!
Der Blick auf die Kathedrale und die Stadt war einfach atemberaubend. Aber nicht nur das. Das gewöhnliche irdische Gleichgewichtsgefühl war bei uns nicht so ganz da... das war eine Art Irritation, wie es mal auf einem Schiff sein kann.
Das Begleitpersonal hatte die Besucher gut im Blick. Man sollte nur in der Gruppe und nur auf Kommando auf die nächste Ebene gehen. Und so "verschwinden" die Besucher im Gänsemarsch in dem schmalen Spalt der Rundtreppe, die in der Mauer verläuft und die eigentlich für "Gegenverkehr" gar nicht geeignet ist - vielleich auch deshalb die Kontrolle. Der Gang nach unten war etwas schwerer - wegen der unebenen und ausgetretenen Stufen und natürlich wegen dieser seltsamen Irritation... Es gibt nicht viele Fenster an der Treppe, einige Besucher mussten sich erst dann neben einem nächsten Fenster hinstellen und sich "umorientieren" - eine klare Horizont-Linie wiederherstellen.

Auf der Rasenfläche war schon etwas kühl, aber Johanna hat alles sichtlich genossen - wir hatten wenig Möglichkeiten für ihre freie Bewegung.


Für die Kathedrale von Pisa muss man sich Zeit nehmen - einfach zuschauen. Sie ist über Jahrhunderte gebaut worden. Viele interessante Details wollte ich unbedingt festhalten.
Man verwendete verschiedene Marmorsorten - eben das, was zur Hand war. Wenn nichts anderes da war, griff man zum eher ungewöhnlichen Material - alte Grabsteine eines antiken römischen Friedhofs - die alten Besitzer erheben keine Einsprüche...


Hier passte es mit dem Muster nicht so genau - nicht schlimm, es wird schon halten... Als wir aus Pisa fahren wollten, haben wir auf die Uhr geschaut - genau drei Stunden haben wir dort verbracht. Eigentlich haben wir nur die Kathedrale und den Turm gesehen - war das denn alles? Aber wir hatten noch etwas vor: eine alte Stadt, die innerhalb ihrer Mauern etwas wie Manhatten des Mittelalters haben soll. Das wollten wir auch sehen.

Sonntag, 21. Oktober 2007

Safran macht den Kuchen.......

Was genau dieses Gewürz mit dem Kuchen macht, weiß ich nicht.

Wer aber eine "richtige" Paella zubereiten möchte, muss doch unbedingt "richtige" Gewürze nehmen, und zwar lieber Safran in Fäden, nicht als Pulver. Wo kommen die Fäden her, weiß kaum eine Hausfrau - unwichtig...
Nicht so weit von Rom, in den Bergen, liegt ein kleiner Ort - San Pio delle Camere. Jetzt, am Ende Oktober, blühen dort lila Krokusse. Und jetzt ist die Erntezeit. Viele Hände braucht man, um die 2-3 wertvollen Blütenstaubfäden aus jeder Blüte zu ernten. In einer Woche werden wir diese Felder sehen. Ryanair hat es wieder geschafft, uns anzulocken. Wir fliegen nach Milano, von dort fahren wir in die Toskana – wir sehen Pisa und Florenz, danach geht es nach Rom (lieber Navigator, nicht versagen!). Und dann fahren wir quer durch den „Stiefel“ und machen einen Zwischenstopp in San Pio. Wer weiß, vielleicht braucht man da noch zwei Hände für einen Erntetag? Wenn nicht, werden wir in dem kleinen Cafe im Zentrum des Städtchens einen Espresso mit Safran trinken und in der Pizzeria an der Ecke eine Portion Safranspirelli bestellen.
Danach werden wir die adriatische Küste erreichen und nach Venedig fahren. Aus Venedig nach Mailand sind nur einige Stunden, mit Ryanair wieder zurück…

Was haben denn die Krokusse, dass sie plötzlich Safranfäden bekommen? Jetzt weiß ich es. Sie haben einen Chromosomenfehler…eine Art Down Syndrom…